Gibson Les Paul 1959 Historic Reissue


Erst einmal angesteckt vom Gibson Reissue-Virus - die Inkubationszeit ist kurz - dauert es nicht lange, bis man sich nach einer weiteren Reissue umsieht. Der Ton macht süchtig. Diesesmal sollte es eine 59er Reissue sein.

Aufgeschreckt von der Meldung, daß Gibson zum ersten Mal in der Geschichte des Custom Shops und der Historic-Serie wirklich akkurate und im Detail stimmige Nachbauten produzieren wollte, war die Entscheidung für eine Les Paul Reissue aus dem Jahr 2003 gefallen und das noch bevor das Jahr 2002 zu Ende war.

Ich wartete und wartete. Jeden Tag stattete ich den Online-Shops diverser amerikanischer Läden einen Besuch ab. Was die Wartezeit extrem unerträglich machte, war die Tatsache, daß mittlerweile viele Gerüchte hinsichtlich der vorgenommenen Verbesserungen kursierten.

In der Nacht vom 30.01.2003 zum 31.01.2003 war es endlich soweit. Der erste Händler hatte die neuen Reissues im Angebot. Die Features: Korrektes Deckenshaping, korrekt geschnittene Inlays, die Mechaniken und das Trussrod-Cover wurden historisch korrekt plaziert, CTS-Potis und Bumble Bees fanden ihren Einzug ins Elektrik-Fach.

Sofort orderte ich die 59er Les Paul Reissue. Ich mußte mich sechs Tage gedulden, dann endlich stand UPS vor der Tür. Obwohl es während winterlicher Tage und niedriger Temperaturen durchaus sinnvoll ist, ein Paket mit einer Gitarre ein paar Stunden ungeöffnet stehen zu lassen, damit sich Gitarre und (Nitro-) Lack akklimatisieren können und letzterer nicht springt, konnte ich meine Ungeduld nicht weiter zügeln und riß das Teil förmlich aus seiner Verpackung.

Der ersten Freude über die sehr resonante Gitarre wich schnell, nachdem ich das Instrument einer genaueren Betrachtung unterzogen hatte. Es wies einige Verarbeitungsmängel auf. So war die Sattelkerbung ein Katastrophe.Die h und die e-Saite lagen tiefer als der Rest der Saiten, was zur Folge hatte, daß man den Steg entsprechend hochschrauben mußte, damit es nicht schepperte. Damit allerdings erhielten die restlichen Saiten eine zu hohe und damit umkomfortabel spielbare Einstellung.

Überdies hatte Gibson wohl versäumt die Pickup-Rahmen durch neue, dem abgeflachten Deckenshaping angepasste Versionen zu ersetzen. Die verbauten Rahmen aus der Vorjahresproduktion schlossen nun nicht mit der Decke ab. Das aber hatten alle RI in den Anfängen. Der Klang der Burstbucker gefiel mir überhaupt nicht. Zu harsch und zu höhenreich, nicht annähernd vergleichbar mit dem 57er Classic der 58er. Die Regelbarkeit der linearen CTS-Potis ließ zu Wünschen übrig, ja, eigentlich glichen sie mehr An- und Ausschaltern.All diese Mängel sind zu beheben, aber bei einem Instrument dieser Preisklasse nicht so ohne weiteres zu tolerieren. Damit offenbarte sich der Nachteil eines Einkaufes im Online-Shop über den großen Teich. Ich hatte zwar eine Menge Geld gespart,war aber nicht zufrieden.

Nach einem Monat stand fest, ich wollte es noch einmal wagen.

Als die ersten Reissues hier in Deutschland auftauchten und damit auch die Preisgestaltung für Deutschland offenbar wurde, offerierte ich meine RI über eBay. Ich verkaufte sie schnell mit knapp 1000 Euro Gewinn - was aber nicht zum Nachteil des Käufers war. Denn gemessen an den hiesigen Verkaufspreisen, war das immer noch günstig.

Bei einem anderen amerikanischen Händler entdeckte ich eine 59er, die wirklich ein sehr schönes Top zu haben schien. Sie gefiel mir optisch wesentlich besser, als ihre Vorgängerin. So habe ich denn auch nicht lange gefackelt und sie bestellt. Das übrigens zu einem noch besseren Kurs, als der im Januar 2003. Erfreulich.

Ein paar Tage später stand UPS erneut vor der Tür und lieferte mir Versuch No.2. Und dieses Mal wurde meine Freude nicht mehr getrübt. Die Pickup-Rähmchen schlossen mit der Decke ab, der Sattel war sauber gekerbt und, ja, selbst der elektrisch verstärkte Klang schien mir um einiges weniger höhenreich, wenn aber doch noch lange nicht so warm und ausgewogen wie der meiner 58er. Geblieben war die miese Regelcharakteristik der linearen Potis.

Es war klar: Diese R9 war ein Volltreffer, der nur ein paar kleiner Korrekturen bedurfte. Diese erfolgten denn auch recht schnell. Auch hier tauschte ich die linearen Potis durch logarithmische CTS-Potis aus. Die Fake-Bumble Bees ersetzte ich auch hier durch echte 50iger Teile und die Burstbucker mußten Voodoo-Pickups von Peter Florance weichen.

Nicht nur weil die Pickup-Kappen von Peter Florance geaged waren, mußte auch der Rest der Hardware optisch angepasst werden. Auch hier also wieder eine dezente Behandlung mit meiner Spezial-Tinktur.

Die Gitarre klingt einfach unglaublich. Dem Ideal des 59er-Tons ungeheuer nahe, weitaus näher als meine 58er. Jeden Tag stelle ich außerdem fest, daß die Gitarre mir mehr und mehr entgegenkommt. Sowohl Klang als auch Bespielbarkeit veränderen sich stetig zum Positiven. Es ist wirklich spannend diese Veränderung zu verfolgen.

Kommen wir zu einem Ende. Die 59er ist mittlerweile meine Hauptgitarre, was aber an meiner Verbundenheit zu meiner 58er nichts ändert. Ich habe meine komplette Sammlung aufgelöst, denn ich spiele nichts anderes mehr. Und so wird es wohl auch bleiben.....wenn mir nicht irgendwann wieder eine Reissue über den Weg läuft. ;)