Jerry Jones Master Sitar 2000


Ein grauer Donnerstag Vormittag in der E-Bucht, ich schlürfe meinen Kaffee und klicke ein wenig in der Kategorie Musikinstrumente und entgegen meiner Gewohnheit schaue ich mir neu eingestellte Sofortkaufangebote an, da blinkt sie mir entgegen: eine E-Sitar zu einem Kurs, bei dem ich nicht nein sagen kann. Konto eiligst gecheckt, ja, kein Problem, 1-2-3. So ohne jegliches Zögern und bar jeder weiteren Überlegung habe ich wohl noch nie ein Instrument gekauft, solange ich mich erinnern kann. Der Verkäufer ein freundlicher und verbindlicher berliner Profimusiker, der das Teilchen nur in einem Song des Sets brauchte, der sei jetzt rausgeflogen und damit die E-Sitar für ihn überflüssig. Nach ein paar Tagen trifft sie bei mir ein, ein Haufen frischer Saitensätze im leicht angepassten Stagg-Case, zwar ohne Schlagbrett, aber ansonsten sauber und gepflegt, und eben nicht in dem klassischen red-crackle, sondern in strahlendem Weiß. Internetbekanntschaften können ja leicht mal schief gehen, diese Liebe auf den ersten Blick ist denn auch in der real world erhalten geblieben.

Was ist also nun dran an der 60s-Legende? Die Brücke ist eigentlich das Kernstück des Instruments, eine angeblich zur besseren Intonation abgeänderte Kombination aus Saitenführung und stufig abgeflachte Flächen entlang des Saitenverlaufs, die beim Anschlagen der Saite den schwirrenden Sitar-Ton erzeugen sollen. Was die Intonation angeht, naja, ich habe das Original noch nie in der hand gehabt, das muss dann wohl GANZ fürchterlich gewesen sein ... aber es lässt sich durchaus vertreten, was da herausgekommen ist. Die 13 Resonanzsaiten, bei der Sitar durch das Spiel der Hauptsaiten in Schwingung versetzt entpuppen sich als hübscher Zierrat, zumindest wenn man sie gemessen am Vorbild aus Indien betrachtet. Aber es lassen sich damit nette andere Sachen machen. Die Hauptsaiten schwirren jedenfalls psychedelisch vor sich hin, so muss da sein. Die Lipstick-Pickups, Erkennungsmerkmal von Danelectro-Gitarren und Bässen, geben das Signal sehr ansprechend wieder. Ordentlich arbeitende Tuner, die Resonanzsaitenstimmung erfolgt mit einem Schlüssel, wie man ihn von Zithern und Hackbrettern kennt (musste ich mir bestellen, ein schlichter Standardschlüssel für knapp 10 Euro tut's) Leider ist das Instrument etwas kopflastig, es ist also ein rutschfester Gurt ratsam. Die Verarbeitung ist ordentlich und korrekt in allen Bereichen. Jerry hat gute Arbeit geleistet und sehr stilvoll kopiert, wie es auf mich wirkt.

Später herausgefunden: die 2000er Ausgabe war die letzte mit den klassischen Kopfmaßen, danach kam Abhilfe gegen die Kopflastigkeit, aber auch ein Bruch mit dem Originaldesign, den ich nicht so schätze. Aber nicht mein Problem.

Das Schlagbrett wurde nachgefertigt.