Eigenbau im Stil von einer PRS Santana


Nun der zweite komplette Eigenbau

Im Stil einer PRS Santana, oder besser gesagt, angelehnt an die Form der Gibson Les Paul Classic Double Cut aus den 1950er Jahren.
Mir hat die Form des Korpus unheimlich gut gefallen.
Die Kopfplatte ist eine Eigengestaltung.
Das Instrument ist keine 100Prozentige Kopie.
Ich habe mich nur an der Form angelehnt.

Auch Halsstab und Pickups sind selbst gemacht. Sowie Intarsien selbst angefertigt (aus Abalone und Mother of Pearls ausgschnitten und mit Epoxy verklebt)
Die Sidedots sind aus Abalone und vorgefertigt. Binding am Hals ist Riegelahorn.

Nun zu meiner Gitarre.

Body: Credo
Decke: eigentlich spaltet Mable (hat aber auch ein wenig von Wölckchenahorn)
Hals: Bosnischer Riegelahorn
Griffbrett: Madagaska Palisander
E-Fachabdeckung: Wenge
Tonabnehmer: Selbst gewickelt
(Halshumbucker: Drahtstärke: 0.063/0,071
5200 Wicklungen, 3,90/3,91 = 7,83 Ohm)
(Strat-PU: Drahtstärke: 0,063/0,071
8000 Wicklungen, 6,08 Ohm)
(Humbucker Brücke: Drahtstärke: 0,06/0,067
6000 Wicklungen, 5,09/5,10 = 10,25 Ohm)
Griffbrettradius: 1. Bund 9“ auf 12. Bund 12“
Halseinstellstab handgestrickt.
Hals und Body mit Knochenleim verleimt
Grundiert und Matt lackiert.
Bauzeit mit Pausen und Essen gehen ca. 12 Arbeitstage


Das Instrument ist in Hannover in der Werkstatt von Thomas Stratmann im Rahmen eines Workshops entstanden.
Es gab zwei Gründe wieder zu Thomas zu gehen.
1. Mir fehlen gewisse Werkzeuge
2. Die Arbeit wird überwacht und etwaige Fehler sind durch den großen Erfahrungsschatz des Meisters so gut wie unkenntlich zu machen. Das ist nichts im Vergleich zu den Eigenbauten welche hier teilweise gezeigt werden.
Da wird ohne Netz gearbeitet. Das war mir zu schade.
Zugegeben, war nicht mit € 200,-- zu machen, aber dafür stimmt Optik, Qualität und Bespielbarkeit.
Das Instrument ist extrem leicht. 3,3 kg sind nicht viel bei dem großen Body.


Die Humbucker lassen sich durch einen Push-Pullpoti (bei mir der Toneregler) auf Singlecoil umschalten.
Ausserdem ist eine Pezzobridge eingebaut. Der Piezzo lässt sich mit den hinteren zwei Potis auf Lautstärke und Tone regeln.
Der Anschluß für die Gitarre ist in Stereo. (Gitarrenkabel in Stereo mit Split auf zwei mal Mono)
Dadurch ist es möglich das Instrument mit zwei verschiedenen Kanälen zu spielen.
Die Gitarre klingt so wie ich es mir vorgestellt habe.
Ich kann den Singlecoilmodus in fünf verschiedenen Stellungen bedienen. (Richtig schöner Twäng), oder umschalten auf Humbucker. In gewissen Stellungen klingt sie wie eine Telecaster. Die Zwischenstellungen sind typisch Stratocaster.
Da sind weitere fünf Möglichkeiten vorhanden. Ausser der Stratpickup bleibt Stratpickup.
Klingt einfach nur fett.
Auch nur über den Piezzo gespielt klingt die Gitte gut.
Nicht 100Prozent nach Akkusticgitarre, aber trotzdem sehr gut. Ich würde sagen wenn man nicht hinsieht und auch nicht weiß worum es sich handelt, würde man es für eine Akustische halten.
Im Studio klingt Sie 100Prozent authentisch.
Es ist eine super Sache drei Gitarren in einer zu haben.
Eine Humbucker wie die Gibsons, eine Strat und auch eine Akustik.
Theoretisch kein herumschleppen der Instrumente mehr.
Praktisch? Naja, sieht doch besser aus wenn da mehr rum steht auf der Bühne.
Es gibt zwei Dinge die mich stören.
Zum einen wollte ich auch am 12. Bund Rosen machen. Ich habe schlichtweg zu wenig Teile ausgeschnitten. (Vier Teile aus zwei übereinander liegenden Platten ergibt zwei IRGENDWAS)Eigentlich sollten das Rosen sein. Hat aber nicht so funktioniert.
Bei der Kopfplatte ist alles glatt gelaufen.
Das zweite was mich (noch)stört, ist der 5-Wegschalter.
Ich hätte das Ding schräg einsetzen sollen.
Ist etwas ungewohnt. Mit der Zeit werde ich mich aber daran gewöhnen.

01.04.2010
Ich habe Bilder von einem Konzert eingefügt. Da kann man sehen dass auch die Eigenbauten regelmäßig gespielt werden.

04.07.2010
Nun ein kleiner Zwischenbericht wie sich die Gitarre hier schlägt.
Durch das tägliche Spielen hat die Gitarre richtig Charakter bekommen. Wie ich finde hat sich Ihr Klang verbessert. Der Lack tut hier seine Dienste. Darüber bin ich froh. Auch durch Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit gibt es keine Probleme. Mir ist allerdings aufgefallen Sie ist ein wenig empfindlich was Temperaturschwankungen angeht. Das ist nicht wild, aber ich denke steigt die Temperatur um 10 Grad was in einer vollen Hütte schnell passiert, wird Sie um ca. einen 8-tel bis 4-tel Ton tiefer. Das ist für mich absolut tolerierbar. Am Sattel habe ich die Kerbe für die G-Saite nicht breit genug gemacht. Das heißt im Klartext: Bei neuen Saiten kein Problem. Sind die Saiten etwas älter, klemmt die G-Saite ein wenig. Obwohl ich immer dachte Büffelhorn schmiert von selbst. An den gerade eingebauten 5-Wegeschalter habe ich mich gewöhnt. Bei der nächsten ist der garantiert wieder schräg. Ich habe ein paar Tage frei und werde mit meinen Instrumenten Pepe aufsuchen. Das ist der hiesige Gitarrenbauer. Der Piezzo funktioniert einwandfrei. Mittlerweile ist diese hier meine Hauptgitarre. Die Saitenlage werde ich auch noch verbessern. Mal gucken was dann rauskommt.

16.07.2010

Nun, ich war bei Pepe. Nicht nur mit dieser, sondern auch mit ein paar anderen Modellen. Die Klemmprobleme haben wir mit Graphit von einem Bleistift gelöst. Da hätte ich Idiot auch selbst drauf kommen können. Zuerst dachte Er der Sattel wäre aus Plastik weil er so glänzt. Da ich den Sattel aber selbst gemacht habe, weiß ich das es Büffelhorn ist. Er wurde nur auf Hochglanz poliert. Die Saitenlage haben wir auch verbessert. Jetzt ist die Gitarre angenehmer zu spielen.


Ich denke ich werde bei der nächsten Gitarre die Halseinstellung an der Kopfplatte installieren. Dadurch kann der Halsstab länger sein als bei dieser Gitarre. Längerer Halsstab ist gleich größerer Bereich zur Verstellung der Halskrümmung. Im Moment ist der Abstand von Bundstäbchen zur tiefen E-Saite ca. 2 mm. Oder eine andere Idee die mir gekommen ist, bei der nächsten Gitarre vielleicht mal nicht 0,10er, sondern 0,09er Sätze verwenden. Oder ich verwende höhere Bundstäbe. Diese hier sind auch schon wieder abgerichtet worden.
Mal gucken. Vielleicht eine Kombination aus diesen Möglichkeiten. Die Mensur von PRS liegt mir auf jeden Fall. Es ist der Unterschied nicht so groß wenn man auf eine Fender oder Gibson wechselt.


Ich habe mich entschlossen auch diese Gitarre neu zu lackieren. Es müssen sowieso wieder mal neue Bünde drauf. Der Sattel muss auch erneuert werden. Die hohe E-Saite schnorrt schon. Es ist eben bei viel gespielten Instrumenten unerlässlich immer wieder mal was daran zu machen. Ohne geht es eben nicht. Leider. Pepe wird mir wieder sagen eine Woche und ich werde wieder zwei Monate darauf warten. Das kenne ich schon, doch das Ergebnis wird mich für die lange Wartezeit entschädigen. Schade nur dass die Yamaha nicht splittbare Humbucker hat. Das wäre das Tüpfelchen auf dem I gewesen. Wir wird der Singlecoilsound abgehen für die Zeit der Neubundierung und Lackierung meines Eigenbaues. Aber es muss sein.


24.07.2011
Die Gitarre ist nun zurück von der Lackierung. Dieses Mal gab es keine Probleme da bei dieser Gitarre Wachs und Öl niemals den Korpus oder Hals berührt hatten. Allerdings mussten die tiefen Riefen auf der Rückseite vom relativ weichen Body Holz verschliffen werden. Das Instrument wurde zweimal grundiert und danach wurden vier Lackschichten aufgetragen. Dieses mal wollte ich die Gitarre in Natural behalten. Ich hätte mir eventuell auch Honiggelb oder einen Rot-Ton natürlich beides Transparent vorstellen können. Doch in Natural gefällt sie mir doch am Besten. Der Versuch einen Monoinput ein zu bauen ist gescheitert. Interessanter Weise funktionierte mit einem Monoinput der Piezzo nicht mehr, obwohl direkt an diesen angeschlossen, gab es keine Probleme. Ich werde nun ein Stereokabel kaufen und eine Seite auf Mono um löten. Wenn das nicht funktioniert, weiß ich auch nicht. Ich habe Euch ein paar neue Fotos eingestellt. Viel Unterschied sieht man allerdings nicht zu vorher. Allerdings ist die Gitarre jetzt nicht mehr matt, sondern glänzt wie ein neues Instrument. Klangmäßig hat sich meiner Meinung nach bei der Gitarre nicht viel verändert.


Natürlich ist das alles subjektiv. Man müsste vor der Lackierung eine Aufnahme machen. Am besten mit einer Maschine welche das Plektrum immer gleich führt und immer die gleiche Intensität beim Anschlag hat. Es müssten nicht mal Akkorde gespielt werden. Es geht ja nur um den reinen Klang und das Sustain. Ich kann mir vorstellen es gibt da durchaus Unterschiede. Durch die lange Zeit welche das Lackieren in Anspruch nimmt, ist der Unterschied für das Ohr nicht hörbar. Hat man jedoch Aufnahmen mit jeweils der gleichen Einstellung von Gitarre, Anschlagmaschine, eventuell Verstärker und Aufnahmegerät, ist es möglich, falls vorhanden, Unterschiede fest zu stellen. Ich denke da speziell an unseren gemeinsamen Kollegen Linus. Er baut ja mehrere Gitarren. So ein Gerät zu bauen wäre für Ihn sicherlich kein Problem. Alles Andere ist auch vorhanden.

Noch etwas zu den Bildern. Ich habe bewusst ein paar Bilder vom Bau, vom Zustand der letzten zwei Jahre und vom Jetzt Zustand belassen. Der Interessierte kann die Entwicklung so mit Verfolgen.

25.10.2011
Auch diese Gitarre musste einige Änderung über sich ergehen lassen. Zum einen kam mir schon in Spanien vor es stimmt irgendwas nicht. Die Lackierung war gelungen, aber irgendwie klang die Gitarre anders. Sie arbeitete zwar wie gewohnt, aber irgendwas schien nicht zu stimmen. Das Verhältnis der Pickups stimmte für mich nicht mehr zusammen. Darüber wurde ich mir aber leider erst sehr spät klar.

Wieder in Österreich war der erste Weg zu meinem Musikalienhändler des Vertrauens. Auf den ersten Blick schien alles zu stimmen. Ich habe dann Thomas Stratmann angerufen und der meinte wir hätten garantiert einen Fehler in der Schaltung. Der Piezzo dürfte nicht abschalten wenn wir auf Mono umlöten. Er war so lieb und hat uns noch einmal ein Schemata gezeichnet und dieses durchgefaxt. Bei dem Kabelgewirr konnten wir nichts entdecken. Also alles abgelötet und von vorne angefangen. Nach erfolgreicher Lötung war alles so wie es sein sollte. Der Fünfwegeschalter funktioniert perfekt, sowie das Push/Pull Poti. Jetzt lässt sich alles wieder wie gewohnt schalten. Nur der Piezzo ist seit der neuen Verlötung stufenlos zuschaltbar. Alles ok. Auch die Saitenlage wurde wieder auf den alten Stand gebracht. Nun lässt sich die Gitarre wieder komfortabel spielen und klingt wieder wie eine sehr gute handgebaute Gitarre.

Nach einer doch relativ langen Zeit kann ich nur sagen die Gitarre hat sich super entwickelt. Und es ist nach wie vor mit meinem ersten Eigenbau eine meiner am meisten gespielten Gitarren. Trotz all der F und G Instrumente. Ist einfach super bespielbar und klingt richtig gut. Egal ob Hubbücher, Singlecoil oder Pizzo.

Liebe Grüße an alle Michael