Mein erster Eigenbau PRS-Nachbau


Ich möchte hier nun meinen ersten Eigenbau beschreiben.
Dieses Instrument war lange Zeit mein Hauptinstrument. Es begleitete mich ein paar Jahre durch alle Bühnen quer durch Europa. Bis ich einen Bandscheibenvorfall hatte und die an und für sich gar nicht so schwere Gitarre zu schwer wurde, war sie mein absolutes Hauptinstrument.
Die gesamte Gitarre ist geölt und mit Bienenwachs versiegelt.
Was sich sehr gut anfühlt, aber für den harten Bühneneinsatz bei wechselnder hoher oder niedriger Luftfeuchtigkeit nicht unbedingt dem Instrument dient. Nach etwa zwei Jahren wurde sie entölt und entwachst. Danach bekam sie ein Lackfinish.
Nichts desto Trotz liebe ich den Klang dieser Gitarre.

Spezifikationen:

Mensur: 63,5
Body: Mahagoni
Decke: Riegelahorn
Hals:Riegelahorn/ein Streifen Palisander
Griffbrett: Vogelaugenahorn lackiert
Humbucker: Selbstgewickelt.
Brücke: Piezzotremolo von Wilkinson
Ich glaube die Mechaniken waren von Schaller.

Ich habe jede Menge Fender Stratocaster zu Hause, aber hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Gitarre mit Humbucker.
Ein Kellner in Spanien (selbst ein guter Gitarrist) hat mich auf die Idee gebracht mir doch selber eine Traumgitarre zu bauen. Er würde an einem Workshop bei Stratmann Gitarren teilnehmen und ich sollte doch mitkommen.
Nach langem hin und her (ist ja auch eine Kostenfrage) habe ich zugesagt und ich habe es nicht bereut.
Ich habe heute ein Instrument zur Verfügung, welches 1. ich selbst gebaut habe, 2. eines welches klingt wie ich es mir wünsche, 3. von der Bespielbarkeit ein Selbstläufer ist, 4. Sie hat Sustain ohne Ende,
5. ein Instrument, welches mir beim ersten Anspielen die Tränen in die Augen laufen ließ. So etwas kommt nie wieder und ist ein Erlebnis wie die Geburt eines Kindes.

Mit dieser Gitarre ist alles möglich bis auf die Zwischenstellung bei den Stratocasters.

Irgendwie gefällt Sie mir jetzt besser als vorher. Das Holz ist nicht mehr so makellos weiß und ich habe im Laufe der Zeit auch Ihren Charakter kennen gelernt. Das Instrument hat stark nachgedunkelt was aber die Riegel noch mehr betont.

04.07.2010
Ich glaube nun ist es Zeit ein Resümee zu ziehen.
Die Gitarre klingt mittlerweile einfach sagenhaft. Egal ob im Singlecoil oder Humbuckermodus. Ein wirklich wohl klingendes Instrument. Es hat sich am Instrument nichts verzogen. Das ist wichtig. Doch als ich im letzten Winter mit der Gitarre im Winterskigebiet spielte bemerkte ich an der Leim-stelle zwischen Korpus und Decke eine fühlbare Veränderung. Theoretisch ist das mit ein bisschen Schleifpapier sofort wieder weg. Das Holz hat gearbeitet. Ich führe das auf die in diesem Winter extrem trockene Luft zurück. Es ist nicht zu sehen, aber zu fühlen. Vielleicht ein 100tel mm. Die Oktav-reinheit ist davon nicht betroffen. Aber ich mache mir Gedanken das Instrument vielleicht doch zu lackieren. Allerdings müsste ich alles abbauen und erst mal wieder schleifen. Danach ist wohl Aceton die erste Wahl um den Rest vom Wachs und dem Öl zu entfernen. Das Problem ist nur mir gefällt die Farbe die sie jetzt hat so gut. Es hat sich alles so schön entwickelt. Als Lack kommt für mich im Moment aber nur Klarlack Seidenmatt in Frage. Mal gucken. Irgendwie bin ich im Dilemma.


16.07.2010

Ich habe mir einen Ruck gegeben und die Gitarre doch zum lackieren weg gegeben. Hoffentlich war das die richtige Entscheidung. Bis Dato hatte die Gitarre einen sagenhaft offenen Ton. Ich hoffe durch den Lack wird sie nicht zu viel davon einbüßen. Ich habe das Instrument so wie es war abgeliefert. Ich hatte ehrlich gesagt keine Lust die ganze Hardware ab zu bauen und alles selbst zu reinigen. In schätzungsweise drei Wochen wird die Gitarre wieder bei mir sein. Ich nehme an der gute Mann wird den Korpus und Hals mit Schleifpapier und Aceton behandeln. Danach wird alles noch mal sauber geputzt und transparent lackiert. Ich freue mich auf die Gitarre. Irgendwie geht mir was ab seit der Zeit in der sie weg ist.

05.10.2010

Hallo Jungs (und Mädels), meine Gitarre ist endlich lackiert.
Hat etwas länger gedauert als geplant. Die Gründe waren vielfältig.

1.Die Gitarre war ursprünglich geölt und gewachst. Öl und Wachs für eine Gitarre sind an und für sich ein guter Schutz für das Holz. Der Hals ist seidig weich zu spielen und das Instrument behält Charakter der verbauten Hölzer 1 zu 1. Eigentlich liebe ich diese Optik.
2.Die Luftfeuchtigkeit war dieses Jahr teilweise besonders im Sommer sehr hoch.


Also Öl und Wachs wurden mit Aceton aus dem Holz entfernt. Das dauerte seine Zeit und war sehr aufwendig. Solltet Ihr irgendwann vor haben ein Instrument zu lackieren, bitte vorher nicht ölen und wachsen. Das entfernen ist eine Sysiphusarbeit und zudem der Gesundheit nicht gerade zuträglich.
Das Instrument musste drei mal neu lackiert werden. Der Lack hatte sich immer wieder aufgeworfen. Das erste Bild zeigt von der jetzt lackierten Gitarre Body Vorderseite, Rückseite und die Kopfplatte von vorne. Die anderen Bilder habe ich unten angehängt.


Ich hoffe Euch gefällt die Gitarre jetzt genau so wie mir. Vom Klang her hat sich nichts eingebüßt. Zumindest habe ich den Eindruck. Das Problem ist ich habe sie im Juli abgegeben. Jetzt ist Oktober. Das Instrument ist schwerer geworden. Ich weiß noch nicht wie viel, aber es ist spürbar.

Am Freitag habe ich sie bekommen. Gleich am Abend zur Arbeit mitgenommen und die erste Runde damit gespielt. Die Saitenlage ist nach wie vor fantastisch und der Lack am Hals klebt nicht bei verschwitzten Händen. Sie hatte nur ein Problem. Sie kam falsch verlötet an. Humbucker war nicht verfügbar. Singlecoil nur teilweise. Ich Trottel habe vor Freude an der Optik nicht an einen Test gedacht. Montag Nachmittag bin ich noch mal hingefahren um die Fehler zu beseitigen. Ich dachte es würde eine halbe Stunde dauern, aber aus der gedachten Zeit wurden 1,5 Stunden bis der Fehler gefunden und behoben war.
Jetzt arbeitet die Gitarre wieder wie gewohnt. Typische Les Paul Schaltung durch den Toggle. Der Push/Pull funktioniert auch wieder. Sowie der Piezzo.

Ich hatte die Gitarre am Wochenende bei einer kleine Feier mit. Sie harmoniert wunderbar mit dem Mesa Boogie. Als wären die Beiden füreinander geschaffen.

Nun viel Spaß mit den Bildern