Der DDR-Röhrenkassettenverstärker MV3 Firma Böhm


Einleitung und Grundsätzliches
Hallo liebe Freunde des ostdeutschen Röhrensounds, hier ist wieder Euer alter Ossi drstrange. Heute will ich mal meinen Beitrag mit einem entsprechenden Witz einleiten.

Was sagt der Ossi nach dem Sex zu seiner Partnerin??
Liebling, es war doch nicht alles schlecht oder?!

Und hier kommt ein Amp, der aus einer Zeit stammt, als wirklich noch nicht alles so schlecht war im Osten. Da muß ich dann doch schon mal etwas weiter ausholen. In den 50er und 60er Jahren, gab es keine wesentlichen Unterschiede in der Entwicklung von Röhrenradios oder Röhrentechnik zwischen Ost und West. Im Gegenteil, so ein Großsuperhet wie der Beethoven vom Stern Radio Rochlitz (vormals Graetz AG) wäre auch im Westen unter der Rubrik hochpreisiger Luxusartikel gelaufen. Wer sich den kleinen Klemt Echolette B25 Kassettenverstärker anschaut und dann diesen MV3, der sieht, daß der technologische Stand in beiden Teilen Deutschlands ausgewogen und ziemlich gleich war. Warum auch nicht, die Grundlagen dieser Technik wurden vor dem Kriege im gemeinsamen Deutschland miterforscht, weiterentwickelt und zur Anwendung gebracht und ein Herr Professor Barkhausen saß auch in Dresden (SDRi = 1). Die technologische Geheimniskrämerei begann ja erst im kalten Krieg ab 1949 mit CoCom-Liste, Ausfuhr- und Exportverbot, Boykott und allem Pipapo und von da an verlor der planwirtschaftliche Osten gerade in Hinsicht auf Halbleiter, Schaltkreise und Mikrorechentechnik immer mehr den Anschluß an den Westen, besonders betraf das eben auch die zivile, breite Konsumgüterproduktionspalette. Da half dann auch nicht mehr die Schlüsseltechnologiekampagne in den 80er Jahren, der Osten hatte den technologischen Wettlauf verloren. Aber das ficht den MV3 nicht an. Der war (mit einigen Macken) schon ausgereift für seine Zeit. Und er hatte eine Leiterplatte. Das mag man gut oder schlecht finden, technologisch war das state of the art in jener Zeit. Von der Röhrenbestückung ist der MV3 mit einigem guten Willen an den VOX AC15 angelehnt wenn man mal die Siliziumgraetzbrücke im Netzteil außen vor läßt und natürlich auch den Kathodyn-Phaseninverter, der hier im MV3 sicherlich auch aus Sparsamkeitsgründen zur Anwendung kommt, aber dazu später mehr. Im Gegensatz zum AC15 verzichtet der MV 3 auch völlig auf Tremolo und/oder Vibrato und/oder Hall oder solche expliziten Features, die ein reiner Instrumentenverstärker damals nötiger oder unnötigerweise hatte. Er ist eben kein! reiner Instrumentenverstärker. Er hat einen zweistufigen (komplette ECC83) Kanal mit 20mV Eingangsempfindlichkeit und er hat einen EF86 Kanal mit 100mV Eingangsempfindlichkeit und er hat dann noch eine halbe ECC83 als gemeinesame Vorverstärkerstufe nachdem beide Kanäle zusammenlaufen und die letzte halbe ECC83 arbeitet als Kathodyn Phasentreiber um das Signal für die Gegentaktstufe aufzubereiten. In der Endstufe zwei EL84 die gematcht sein sollten um das ohnehin laute Brummen im Originalzustand an diese Stelle schon mal zu minimieren. Achso, immer wieder wird behauptet, der MV3 wäre als reiner Bass-Amp konzipiert worden. Die großen Koppelkondensatoren, die fehlenden Kathodenkondensatoren im ECC83 Preamp Kanal und der überdimensionierte Ausgangsübertrager lassen das auch vermuten. Aber genau diese Eigenschaften hat auch ein Amp, der den Sound möglichst linear also unverzerrt Wiedergeben soll. Diese Meinung, der MV3 sei ein Bass-Amp, kommt außerdem warscheinlich auch daher, weil er mit einer Bassreflex Box (6 Ohm Impedanz 12,5 Watt) ausgeliefert wurde. Der Amp ist aber mMn und das bestätigt sich auch im geschichtlichen Abriß wenn man sich die Historie vor Augen hält ein Universalverstärker in Kassettenbauweise als ein MV (Musikverstärker) konzipiert worden, der also genauso gut Platten, Tonband und Radioaufnahmen wie auch Liveinstrumente oder auch mal ein Mikrophon verstärken sollte. Und eben auch eine Bassgitarre. Was sollte die DDR in jener Zeit mit einem reinen Bassverstärker 1000-fach produziert anfangen? Und da haken wir dann ein und machen uns diese breite Anwendungspalette zu Nutze. Ich war in mehreren DDR-Schulen und diese hatten damals in den 60er und 70er Jahren alle diesen MV3 als Schulverstärker für die vielen anfallenden Anwendungen wie Fahnenappell oder Schuldisko etc. Ob der MV3 tatsächlich großflächig in öffentlichen Bereichen der DDR eingesetzt wurde konnte ich jedoch nicht herausbekommen.

Disclaimer: Alle Äußerungen die die DDR HW oder auch allgemein den Osten betreffen, ergeben sich aus meinen ganz persönlichen Erfahrungen und müssen/können/dürfen nicht verallgemeinert werden.


Kleiner geschichtlicher Abriß zur DDR Verstärkertechnik (Infos ohne Gewähr)
So gleich nach dem Krieg hatten die Leute in Ost wie West wohl erstmal die Schnauze voll von verstärktem Bumsvallera aus Lautsprechern und außerdem gewiß auch andere Sorgen aber es dauerte garnicht lange, da entstand auch hier wieder das Bedürfniss nach Tanzlokalen in den Tanzkapellen aufspielten und sich so Gelegeheiten zum geselligen Beisammensein ergaben. Wie sich das dann im Westen mit der Tanzmusikverstärkertechnik weiterentwickelte, weiß jeder und wies im Osten war kommt jetzt.
Anfang/Mitte der 50er Jahre begann man in Markneukirchen in den Elektro-akustischen Werkstätten Markneukirchen in Sachsen mit der Fertigung von NF-Kraftverstärkern. Diese nannten sich Elektro Artist und hatten 6 Watt oder 8 Watt oder 12 Watt aber auch schon 20 Watt Ausgangsleistung. Mitte der 60er Jahre wurde diese Typenreihe eingestellt. Gleichzeitig begann die Fa. Reissmann in Dresden ab 1952/52 mit ihrer KR5x und KR6x Serie und produzierte bis Anfang der 70er Jahre elektroakkustische Geräte. Die Firma Böhm aus Klingenthal begann Anfang der 60er mit der Produktion von Röhrenverstärkeranlagen die unter dem Namen Regent vertrieben wurden und bis heute einen guten Ruf genießen. Der Regent 30 und der Regent 60 wurden als Röhrenverstärker (dann später schon unter dem Markennamen Vermona) noch bis Anfang der 70er gebaut.
In der Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik Markneukirchen wurde den frühen 60er Jahren der Vorgänger des MV3 also der MV2 (mit einer Lautsprecherbox Box (damals noch charmant *Tonsäule* genannt) zusammen als VA1 Verstärkeranlage 1; Label Weltklang) gebaut und als Set mit einer Röhrenorgel namens IONIKA vertrieben Davor gab es wohl noch einen UV1 aber darüber konnte ich nichts herausbekommen. In den 60ern erschien dann die Weiterentwicklung dieser VA1 und wurde VA2 Verstärkeranlage 2 genannt. Auch beim Amp selbst, zählte man hoch und aus MV2 wurde der MV3 (Musikverstärker 3) und die Fa. Böhm war federführend beteiligt an der MV3 Entwicklung zusammen mit dem Institut für Musikinstrumentenbau Zwota. Der MV3 wurde dann einige Jahre bis 1971 hergestellt und wurde für alle nur denkbaren Zwecke eingesetzt. Anfang der 70er Jahren wurden in der DDR viele private Betriebe verstaatlicht und andere schon verstaatlichte Betriebe zusammengeführt und so entstand das Label Vermona und da war dann kein MV3 mehr in der Produktion. Die FA. Böhm KG Klingenthal wurde dann umgewandelt in VEB Musikelektronik Klingenthal später dann ein Betriebsteil der Klingenthaler Harmonikawerke (KHW) bis 1991 und heute bekannt und immer noch aktiv als KME Klingenthaler Musikelektronik GmbH www.kme-sound.de (Vielen Dank an KME für die Infos über die Geschichte.). Ab 1975 war dann generell Schluß mit der Musikverstärkerröhrentechnik in der DDR und bis zum Ende der DDR 1990 wurde kein Röhrenverstärker mehr offiziell in Serie produziert. Der Nachfolger des MV3 war dann der Transistoramp Regent 150 und der Regent 150K wie Koffer und die waren Mist und nicht der Rede wert. Ich durfte mich selbst ein paar Jahre als Gitarrist im Kabarett Der Zünder mit dem Regent 150K herumärgern.

Gundlegende Wartung am Gerät.
Also zu allererst sollten man alle! Kondensatoren tauschen. Die sechs Elkos die ich noch drin hatte, (der älteste war von Frolyt 1964) waren alle hinüber.
Aber auch die Koppelkondensatoren und die anderen Tonecaps usw habe ich gnadenlos rausgeschmissen und durch moderne Folienkondesatoren ersetzt. Sollte der Amp zischeln oder knistern sollten die Anodenwiderstände überprüft und gegen Metallschichtwiderstände getauscht werden. Desweiteren wurde statt dem 1µF /385 Volt Elko (C7) ein Folienkondensator eingesetzt. Um das Brummen zu minimieren, wurde der Netzfilterkondensator von 50 + 50 µF auf 100 + 100 µF 450Volt erhöht. Ich besorgte den bei www.tube-town. de und er ist von JJ und ich hab ihn mit Drähten befestigt und anschließend mit einem Silikonkissen fest fixiert, so brauchte ich die Leiterplatte nicht zu modifizieren. Die nächste allgemeine Änderung, die ich durchführte war, den Entkoppelelko in der Vorstufe von 10µF 385V auf 22µF 450Volt zu vergrößern. Aber bitte nicht größer. Die 1. ECC83 wurde gegen eine rauscharme 7025 getauscht und auch alle anderen Röhren rausgeschmissen und durch neue ersetzt. Die EL84 als Pärchen gematcht wie schon gesagt. Die komplette Leiterplatte (Hartpapier/Pertinax wie bei Konsumgüterprodukten der DDR üblich und kein Cevausit) wurde nachgelötet und zwar nicht nur nachgelötet sondern jede einzelne Lötstelle abgesaugt, die (meist) schwarzen Anschlüsse der Bauelemente mit einem Glashaarpinsel gereinigt und dann mittels modernem Flußmittel wieder verzinnt. Nur neu verzinnen half hier nichts, denn unter dem glänzenden neuen Zinn waren die schwarz oxidierten Anschlüsse und gaben keinen Kontakt. Besonders die Röhrensockel waren betroffen. Vorsicht beim Löten der Pertinax Platte. Die Leiterzüge heben sich sehr schnell ab. Also den Lötkolben wohltemperiert betreiben und die Lötstelle nur so lange wie nötig und nicht zu großflächig erhitzen. Danach, ganz wichtig, die Leiterplatte gut reinigen. Entweder man besorgt sich ein Flußmittelreiniger oder benutzt reinen Alkohol. Mit der verschmutzen und verstaubten Platine können durch Kriechströme unerwünschte Geräusche auftreten.
Sockel und Potis und evl. die Buchsen natürlich mit Deoxid Faderluber 5 Prozent reinigen und die Röhren, wenn das Zeug noch feucht ist, ein paar mal stecken und ziehen, die Potis ein paar mal hin und herdrehen usw. Wenn die Leiterplatte defekt ist, kann man scheinbar eine neue nachbestellen und zwar wurde davon mal in verschiedenen Foren berichtet:

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Nun ein paar Worte zu den Eingangsbuchsen und der Lautsprecherbuchse.
Dieser Amp ist eindeutig ein Vintage Amp. Er hat also einen Sammlerwert und es ist damit zu rechnen, daß (auch aufgrund dieses Artikels ;-) ) der Amp im Wert steigen wird. Will man so eine Spekulation versuchen, dann sollte man den Amp soweit wie möglich im Originalzustand erhalten und zum Beispiel diese Diodenbuchsen (DIN-Buchsen) TGL 10-472 und die Lautsprecherbuchse TGL 6B-65 so belassen und nicht durch Klinkenbuchsen ersetzen. Will man den Amp *benutzen*, dann kommt man nicht umhin, für die beiden Eingangsbuchsen und die Lautsprecherbuchse Klinkenbuchsen einzubauen und das hat mehrere Gründe. Die Eingangsbuchsen haben keinen Schalter integriert, der den Eingang gegen Masse kurzschließt, wenn kein Stecker steckt. Man muß also erstens immer darauf achten, daß bei dem Kanal, den man nicht benutzt, das Lautstärkepoti komplett zugeregelt ist, sonst hat man am Eingang eine offene hochohmige Gitterschaltung und die ist ziemlich empfindlich und kann Brummen einstreuen. Nun ist aber der Lautstärkeregler nur beim EF86 Kanal direkt am Eingang. Beim ECC83 Kanal, kommt der Lautstärkeregler erst nach!! der ersten Triode. Man hat also keine Chance diesen Eingang von vornherein runterzuregeln. Man kann sich behelfen, indem man einen Din-Stecker in die Buchse steckt, der kurzgeschlossen ist aber ehrlich, wer will das? Zweitens sind die DIN-Buchsen, genau wie die Lautsprecherbuchse nach TGL 6B-65 nicht bühnentauglich, das heiß das angeschlossene Kabel fliegt leicht aus der Buchse und ist mechanisch nicht arretiert, wie z.B. ein Klinkenstecker, bei dem man einen gewisse merkbare Federspannung überwinden muß, um ihn aus der Buchse herauszuziehen. Darum sollten nicht nur die DIN-Buchsen sondern auch die Lautsprecherbuchse ebenfalls durch eine 6,3 Klinkenbuchse ersetzt werden. Hier muß auf die richtige Polung geachtet werden, wenn die Buchse nicht isoliert ist. Außerdem sollte diese Klinkenbuchse als Lautsprecherbuchse nun gerade *kein* Kurzschlußschalter haben, der den Ausgang kurzschließt, wenn man die Lautsprecherbox abzieht, weil sonst raucht Euch ggfs. der Ausgangsübertrager ab. Ich habe den Schalter umfunktioniert so daß zur Sicherheit einen 20 Ohm 50 Watt Widerstand als Dummyload zuschalten ist, wenn der Stecker gezogen wird, damit schützt man den Amp gegen Leerlauf.

Die Wickelgüter
Der Netztrafo ist ein M85/a Übertrager mit Primär 220 und 117 Volt Anzapfung. Sekundär bringt er so um die 300 Volt Anodenspannung und 6,3 Volt Heizung für alle Röhren, aber ohne Mittelanzapfung. MUß man den Netztrafo nachbestellen, dann sollte man gleich darauf achten, daß der neue Trafo für 230 Volt ausgelegt ist und die Heizwicklung eine Mittelanzapfung hat. Die legt man dann auf Masse und spart sich so diesen lömmeligen P7 Hartpapiereinstellregler zur Heizspannungssymmetrierung, der eh schrottig läuft und auf seine Funktion überprüft werden sollte. Ich habe diesen Einstellregler gegen zwei genaue 100 Ohm /2 Watt Widerstände ersetzt und das funktioniert hier prima.Für einen ordentlichen Drahtentbrummregler war hier kein Platz mehr.
Der Ausgangsübertrager, ebenfalls M85/a ist primärseitig für die beiden EL84 Endstufenröhren in Class-A Gegentaktschaltung ausgelegt. Sekundärseitig möchte der Übertrager 6 Ohm sehen. Ich betreibe ihn hier mit einer WERSI 80 BOX mit zwei 8 Ohm x 50 Watt McKenzie Lautsprechern parallel also mit 4 Ohm und das verkraftet er eigentlich problemlos. Sollte der Ausgangsübertrager neu geordert werden, dann sollte man darauf achten, ihn sekundärseitig mit 4 Ohm, 8 Ohm und 16 Ohm Impedanzanzapfungen wickeln zu lassen. Ich habe die Originalbox nicht hier, aber ich meine mich erinnern zu könne, daß der Lautsprecher (L3060PB) nicht so der Reißer war. Ich habe in meiner gesamten DDR Zeit nie einen nichtmodifizierten Lautsprecher gesehen, der als Liveinstrumentenlautsprecher irgendwie, irgendwas getaugt hätte, lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen. Also genau wie bei den Buchsen, Sammler und Spekulanten lassen die Box bei 6 Ohm. Musiker und Soundliebhaber rüsten um. Der Amp hat den besonderen Druckvollen Sound, weil der Ausgangsübertrager mMn. eigentlich für die 12 Watt überdimensioniert ist. Im Fender Champ12 (siehe andere Besprechung) war der AÜ nur halb so groß. Und das hört man am Druck, den der Amp bringt.

Die Wickelgüter gibts bei Gerd Reinhöfer in Meuselwitz.

www.roehrentechnik.de.

Modifikationen: (Nicht für Sammler, nur für Musiker)

Der MV3 als zweikanaliger Gitarrenamp
Hier müssen einige kleinere Modifikationen gemacht werden, je nachdem wie der Amp klingen soll. Ich denke mal, daß der EF86 Kanal für die Gitarre heutzutage weniger benutzt wird also nehmen wir mal an die Klampfe soll über den empfindlicheren ECC83 Kanal betrieben werden. Da bietet sich natürlich an, die Kathodenwiderstände der Trioden wechselspannungsmäßig mit Kathodenkondensatoren zu überbrücken. Will man Fender, so schaut man in alten Fenderschaltungen nach, was da so genommen wurde und ändert ggfs. auch den Wert des Kathodenwiderstands mit. Will man mehr in Richtung Marschall dann schaut man eben bei Marshall was die so genommen haben. Schaltungen findet man hier unter:

www.schematicheaven.com

Der Kathodenkreis ist zuständig für den Arbeitspunkt (BIAS) der Vorstufenröhre und damit unmittelbar für den Sound verantwortlich. Kein Kathodenkondensator bedeutet, man will die Verstärkerstufe so clean (linear) wie möglich betreiben, aber das wollen wir Gitarristen ja nicht unbedingt. Aber denkt ja nicht, daß durch diese Maßnahmen nun auf einmal ein JTM45 losbrüllt. Der Amp wird nie so klingen wie ein Fender oder Marshall aber man kann ihn in diese oder jene Richtung verbessern, auch indem man die Klangregelung angleicht. Ich brauchte hier nur den ersten (R4) der Eingangstriode mit einem 25µF/50V zu überbrücken und das hat mir schon gereicht um die gewünschte harmonische Verzerrung im oberen Leistungsbereich zu erzielen. Der zweite Punkt sind die Koppelkondensatoren und zwar besonders die zwei zwischen Phaseninverter und Endstufe und der eine vor dem Phaseninverter. Will man viele Bassanteile macht man sie groß, will man mehr höhere Frequenzanteile, macht man sie kleiner. Auch hier dienen die Originalschaltungen als Wegweiser und ich führe ihr mit Absicht dafür keine absoluten Werte an. Das dritte Rad an dem man hier noch ohne großen Aufwand drehen kann ist der Kathodenkondensator in der Endstufe. Der ist hier bei 100µF als Originalwert und hier kann man auch noch zwischen 25 und 250 µF rumprobieren. Auch hier gilt, je größer der C desto besser die Tiefen je kleiner der C desto mehr Höhenanteile. Eine FX Loop läßt sich wunderbar direkt vor C18 einbauen. Hab ich hier aber nicht gemacht. Will man den Amp nebenher auch als Bassamp nutzen bietet sich an den (die) Kathodenkondensatoren zuschaltbar zu machen. Aber auch das habe ich nicht gemacht. Sollte man den EF86 Kanal z.B. für Klampfen mit einer sehr hohen Ausgangsspannung (Burstbuckers) doch benutzen, dann kann man hier noch mittels eines Push pull Potis aus der Pentode eine Triode machen, die verstärkt dann noch weniger und klingt nochmal anders. Diese Triodenschaltung nützt uns auch noch für weitere Anwendungen, wie sich noch zeigen wird.

Der MV3 als einkanaliger Hi-Gain Gitarrenamp
Mittels eines weiteren Push-Pull Potis (die gibts als 1 MOhm Typen 2-fach um beim TAD) kann man, wie weiland Mesa Boogie um 1970 herum beim Fender Princeton, die zwei Kanäle statt parallel, einfach hintereinander schalten. So entstand wenn ich richtig informiert bin der Urvater des allerersten Mark I von Mesa Boogie. Und hier gibts dann zwei Möglichkeiten. Entweder man schaltet die EF86 Stufe am Eingang vor den ECC83 Kanal oder man machts genau andersrum. Für die EF86 direkt am Eingang spricht die Rauscharmut dieser Stufe aber das relativiert sich ja wenn man auch eine rauscharme ECC83 (7025) zur Verfügung hätte. Außerdem spricht für diese Konfiguration das 100 kOhm Poti direkt am Eingang. Diese Variante habe ich hier mit Erfolg eingebaut und getestet.
Für die andere Konfiguration mit der ECC83 direkt am Eingang und der EF86 hinter dem ECC83 Kanal spricht die hochohmigere und empfindlichere Eingangsschaltung der Ecc83. (1 MOhm). Ist der Gain zu stark kann man noch durch umschalten der EF86 auf Triodenbetrieb den Gain etwas runterdrücken oder man setzt statt der ersten ECC83 eine ECC81 oder eine 12AY7 ein. So kann man durch etwas probieren seinen fetten Overdrive Sound erzeugen. Macht man diese Modifikation nicht fest sondern Umschaltbar mit dieser Push-Pull Poti Option, dann kann man im Prinzip, wenn der Gain in jeder Konfiguration gut angeglichen ist, zwischen Overdrivekonfiguration und Cleansoundkonfiguration mittels des push-pull Potis umschalten. Natürlich muß man dann auch am richtigen Eingang hängen und außerdem muß man darauf achten, daß in dieser Konfiguration der Kurzschlußschalter der Klinkenbuchse deaktiviert wird, die nicht mehr direkt vorn am Eingang ist.

Der MV3 als Harp Amp für Chicago Blues Sound
Nun als Chicago Bluesharper will man ja vieles, was man als Gitarrero genau nicht will. Kein Headroom, keinen klaren Sound, mehr Mitten und Tiefen, weniger Höhen usw. Bei einer meiner nächsten Reviews gehe ich ausführlich darauf ein, hier nur soviel. Der Kanal mit der EF86 eignet sich für die Bluesharp am Kristallmicrophon.(Astatic JT30 oä.) Diese Micros haben einen sehr starkes Ausgangssignal und das können wir hier gut und rückkopplungsfrei verarbeiten. Hier auch besonders interessant die Möglichkeit den Gain noch durch die Umschaltung der EF86 auf Triodenbetrieb einzustellen. Der Trick bei einem reinen Harpamp ist es, die ECC83 im anderen Kanal komplett zu entfernen und anstelle der zweiten ECC83 (Gain 100) die ja halb als gemeinsame Vorstufe, halb als Phasentreiber werkelt eine ECC81 (12AT7) (Gain 60) oder gar eine 12AY7 (Gain 44) mit noch weniger gain einzubauen. Man hat dann folgende Strecke EF86 (Pentode oder Triode) dann ECC81 (12AT7) oder 12AY7 oder doch die ECC83 wenn es sonst nicht reicht und in der Endstufe die beiden EL84 im Class A Gegentaktbetrieb. Nun noch alle Koppelkondensatoren vergrößern (1µF/630V Foliencaps) und die Anodenspannung in der Vorstufe nochmal um 30 Prozent verringern (R21 erhöhen) und möglichst eine Riesenbox mit 4x12 als 4 Ohm Box konfiguriert benutzen und der Chicago Bluessound sollte sich feedbackfrei einstellen lassen.
Will man den Amp für Harp und Gitarre dann läßt man die ECC83 einfach im anderen Kanal am Eingang drin und kann so zwischen den Eingängen wählen wobei natürlich hier wieder eher mal Feedback entstehen kann. Besser ists man läßt die Eingangs-ECC83 einfach ganz weg. Dann stellt man noch den Kathodenwiderstand in der Endstufe so ein, daß mindestens 55 mA BIAS-Ruhestrom durch jede der beiden EL84 fließt original fließen so um die 43mA und verringert den Kathodenkondensator auf sagen wir mal 33µF. Man kann außerdem durch das absichtliche falsche Umpolen der Lautsprecherbox eine geringere Feedbackneigung erreichen. So nun müßtest Du eigentlich mit dem Chicago Bluessound zufrieden sein. Natürlich sollte man sich schon ein paar Meter vom Amp entfernen und schräg hinter ihm stehen den Wunder kann ich hier nicht versprechen. Ich testete ihn heute ohne die Kathodenwiderstandsmodifikation mit meinem Astatic JT30 und der Feedback war gut im Griff zu behalten. Der veraltete Kathodyn-Phaseninverter ist übrigens auch genau wie der uralte Paraphase Phaseninverter hier genau richtig. Beiden ist gemeinsam, daß sie aufgrund der Technik der Phasenverschiebung immer ein Signal mit eine bestimmten Verzerrung oder anders gesagt, immer ein Signal welches nicht 100 prozentig symmetrisch ist, an die Endstufe liefert. Das stört beim Hi-Fi Amp aber es stört nicht beim Gitarrenamp und es hilft ungemein beim Harp-Amp.

Das Netzteil
Hier wäre natürlich, wie beim MV2 ein Röhrengleichrichter ideal. Ordentlich Kompression durch die spezielle Kennlinie der Gleichrichterröhren bei Belastung. Ham wa aber nunmal nicht drin. Wem der Amp zu sehr rauscht, der kann noch versuchen über jede einzelne der Siliziumdioden SY204 (SY104) einen 3,3 nF Cap mit einer *Wechselspannungsfestigkeit* größer 600 Volt zu löten. Das ist aber schon fast VooDoo. Evtl Spannungsspitzen die den Dioden schaden könnten werden so wohl auch etwas entschärft. Man kann auch diese veralteten Gleichrichterdioden rauslöten und gegen modernere ersetzen. Wenn aber mit Kondensator, dann nur C's mit hoher Qualität und Wechselspannungsfestigkeit, denn wenn diese C's schwächeln, dann leidet der Netztrafo ziemlich heftig. Ich lasse sie einfach mal weg. Der vergrößerte Filterkondensator wurde ja schon angesprochen und eine Drossel braucht man hier nicht unbedingt, es wäre ja auch gar kein Platz dafür da.

Das wars dann wieder mal.
Bis zum nächsten Amp
Euer drstrange