Der (fast) brummfreie Fender Champ 12


Hallo, liebe Freunde des Fendersounds, hier ist wieder Euer drstrange. Der Amp den wir uns heute mal anschauen wollen,ist ein Class-A Fender Champ 12 von ca. 1990 aus der Red Knob Serie, produziert in Mexico und der hat einen sehr berühmten Stammbaum, reichen doch seinen Vorfahren bis in das Jahr 1945 zurück, als die Herren Clayton Orr Doc Kaufmann bis dato seit den 1930ern Chefdesigner für elektrische Gitarren bei Rickenbacker und Leo Fender begannen Amps und Lap steel Guitars (Hawaiigitarren) zu produzieren und zu vertreiben. Und das unter dem Namen K&F MFG. CORP. Electric Stringed Instruments & Amplifiers Fullerton California mit dem Blitzlogo in dem sich ein Violinenschlüssel und eine Note verschlungen befanden.

Disclaimer für Zartbesaitete, VooDoo Freaks und Sammler:
Ich habe hier massiv Löcher ins Chassis gebohrt um zusätzliche Bauelemente zu befestigen Es wurden Löcher für zusätzliche Massepunkte gebohrt für den Entbrummdrahtregler, für den Bridgerectifier und für die Drossel. Das ist hier kein Vintage Amp sondern ein Amp der mir vorher kein Spaß machte, weil er brummte und nicht klang und jetzt möchte ich ihn gar nicht mehr ausschalten. Aber auch bei diesem kleinen Dreckskerl hier, liegt die Anodenspannung bei knapp 500 Volt also immer die linke (bzw. rechte bei Linkshändern) Hand in die Hosentasche wenn Ihr in dem Amp rumwühlt. (Deshalb gefällt mir mein erlernter Beruf des Elektromechanikers so. Mein Lehrmeister achtete sehr darauf, daß wir Stifte auch ja immer eine Hand in der Hosen- bzw. Kitteltasche hatten.)Der Amp gehört diesmal übrigens mir. Ich hab ihn von TvN vor 15 Jahren mal mit einer Washburn Telecaster zusammen gekauft und der Amp ist mein Class-A Probier- und Bastelamp gewesen, bis ich mich nun entschloß ihn komplett herzurichten. Vielleicht verklopfe ich ihn auch noch. Gruß an TvN von Substance of Dream.

Geschichtlicher Abriss
Als Doc Kaufmann dann später in den 40ern ausstieg, behielt Leo das Blitzlogo noch eine Weile für seine Woodies allerdings mit dem neuen Schriftzug Fender Electric Instrument Co. Fullerton California Der Blitz mit Violinenschlüssel und Note blieb noch. Irgendwann dann später, um 1947 rum, änderte Fender das Logo nochmal und ab dann war es das bekannte Fender Logo der Tweed Amps, welches heute noch auf den vielen Tweeds dieser Zeit zu sehen ist. Die ersten Vorgänger des Champ 12 waren diese Tweed Champs, also der „Champion 600“ (5B1,5C1) und der „Champion 800“. Der einzige Unterschied zwischen ihnen war, dass der 600er eine 6“ Lautsprecher hatte und der 800er hatte einen 8“ Lautsprecher eingebaut. Der 600er ist der bekanntere von beiden. Weil diese Amps nur 3 Watt Ausgangsleistung hatten, fehlte es ihnen an Lautstärke und Durchsetzungsvermögen. Kennzeichnend für diese 600er und 800er Vorgänger Tweed Champ Amps, war eine 6SJ7 Pentode als Vorstufenröhre am Eingang. Merke, ein Amp mit nur einer einzigen Endstufenröhre ist single-ended und Class-A. Immer!

Die Tweed Ära und danach
Die zweiten Basistypen des Fender Tweed Champ Amps sind die Serien 5D1 und 5E1, die zwischen 1954 und 1958 verkauft wurden. Diese Amps verzichteten auf die Pentode und es wurde dafür eine Doppeltriode (12AX7) in der Vorstufe eingesetzt und zwischen den Ausgangsübertrager und der Gleichrichterröhre kam nun eine Siebschaltung, die auch wegen ihrer Geometrie als Pi-Filter bekannt ist. Diese Amps hatte ein sehr schönes Ansprechverhalten und auch der Ton klang hier sehr schön nach. Wie auch immer, sie waren trotzdem noch nicht sehr laut. Zu dieser Zeit begann Fender diese Amps mit einer Gegenkopplungsschaltung zu versehen die dann bei allen späteren Champ Amps wiederzufinden ist. Wenn einer von Euch eines dieser Champ Modelle besitzt, dann rate ich demjenigen, einen Schirmgitterwiderstand einzubauen, denn in der Originalschaltung dieser Serie (5E1) hat das Schirmgitter ein höheres B+ Spannungspotenzial als die Anode selbst und das ist immer schlecht. Das ist einfach schlechtes Design und mit einem 470 Ohm / 1Watt Widerstand, kann das ganz einfach korrigiert werden. Die Vorteile dieser Modifikation sind, längere Lebensdauer der Röhre und eine bessere Effizienz der Endstufe. Der 5E1 ist auch der einzige Fender Tweed Champ Amp, der von Leo eine Drossel im Netzteil verpasst bekam,warum, dazu kommen wir später noch. Der letzte Typ dieser Tweed Champ Baureihe der 5F1 ist wohl der best klingenste Tweed Champ Amp, der je entwickelt wurde. Hier wurde zwar die Doppeltriode am Eingang beibehalten aber das Netzteil wurde entscheidend verbessert, so daß dieser Amp kräftigere Bässe hatte und außerdem einen durchsetzungsfähigeren Anschlag. Da gabs also die verschiedensten Modelle wie TV-Front, two tone, wide panel, narrow panel,und was weiß ich noch alles. Nach den White Amps, den braunen Tolex Amps und nach den blonden Tolex Amps, kam dann Anfang der 60er (1963) auch die blackface Serie auf den Markt.

Die Blackface und Silverface Ära.
Amps aus der blackface Serie genießen Kult Status, obwohl mir das Wort Kult naja, so etwas gegen den Strich geht. Vielleicht wurden sie auch nur deshalb Kult, weil die danach folgenden CBS Silverface Amps ab 1965 so schlecht waren. Und immer gabs diese kleinen Champs oder Champ Clone mal hießen sie Vibro Champ und hatten noch ein Tremolo aber in jeder Serie gabs immer die kleinen (fast immer) single-ended Amps mit einer (zwei) 6V6 in der Endstufe und einfacher Schaltung als Übungsamps. Neben verschiedenen erfolglosen Ausflügen in den Bereich der Halbleiterverstärker produzierte man dann unter der Fuchtel von CBS Managern die vom Tuten und Blasen oder besser hier vom Zupfen und vom Schrammeln keinen blassen Schimmer hatten,ab 1965 Röhrenamps, die demensprechend klangen. Die Silverface push pull Amps waren das Letzte. Irgendwie kommt mir das ja bekannt vor, daß Firmen Mist produzieren und den Bach runter gehen, wenn statt fürsorglicher aus Berufung arbeitender Unternehmer, seelenlose Verramscher und/oder share holder value Anbeter einen Laden übernehmen. Erst recht wenn dieser sowas wie Musikinstrumente produziert. Die klangen dann auch seelenlos. Davon waren die single-ended Amps aufgrund Ihrer Schaltung jedoch nicht betroffen. Sie klangen so wie sie immer klangen, klein, fein, singend. In den 70ern und 80ern mauschelte man sich mehr recht als schlecht durchs Geschäft und auch hier wieder Champs (Champ II, Superchamp usw) mit im Portfolio. In den 80ern dann die Paul Rivera Zeit mit dem Re-Do 6 Watt Champ und dem Vibro Champ. Diese Re-Do Amps von Fender waren aber optisch vom Käufer kaum von den alten Modellen zu unterscheiden. Um hier einen Akzent zu setzen wurde Ende der 80er die Red Knob serie ins Leben gerufen. Fender hatte zu der Zeit auch Absatzproblem und die Produktionskosten waren zu hoch. So gabs Jokes in der Belegschaft, daß es hinter der Endkontrolle noch einen Kollegen gab, der in jede Kiste mit einem ausgelieferten Fender Amp gleich noch 20 Dollars von Fender mit drauflegte.

Die Red Knob Serie
Es waren WIMRE drei Amps in dieser Serie, Der Red Knob Twin, der Red Knob Dual Showman und eben der Red Knob Champ 12 den wie hier haben. Später, nach ca. einem Jahr, kam dann noch der 60Watt Red Knob Super 60 Combo auf den Markt. Der Champ 12 war das Ergebnis von Fenders jahrzehntelangen Experimenten in Hinsicht auf Größe, Gewicht und Ausgangsleistung. Während frühere Champs und Vibro Champs lange Jahre mit 8 Lautsprechern und 6V6 Röhren ausgeliefert wurden und somit 6 Watt hatten, hatten die Champ II und Super Champs Anfang der 80er zwei 6V6 Endstufenröhren und einen 10 Lautsprecher. Aber dieser Champ 12 der Red Knob Reihe bekam einen 12 Lautsprecher der Fender blue special edition und es wurde wieder eine single-ended Endstufe eingesetzt. Und hier das Novum. Ein 6L6GC kam zum aller ersten Mal in einem Champ zum Einsatz und das seit 1945. Dieser Amp hat ein sehr cleveres Design mit einem Cleanchannel und einem Overdrivechannel, und hier kann mit einem fest verbundenen Fußschalter über Optokoppler zwischen den Kanälen umgeschaltet werden. Die Schaltung wurde von Mark Wentling (kam von Music Man) mit der Hilfe von Bill Hughes als eierlegende Wollmilchsau im low budget Bereich entwickelt. Bill Hughes erinnert sich noch, wie Roger Cox den Auftrag erteilte, einen ökonomisch sehr effizienten Amp zu bauen. Trotzdem hat dieser Amp erstaunliches zu bieten. Er hat zwei Kanäle umschaltbar jedoch mit nur einer Gesamtklangregelung, er hat ein Mid boost feature. Er hat Hall!! und einen Stereokopfhörerausgangs sowie ein Line out und eine Gaincontrol im Overdrivechannel. Er hat ein tape input mit Chinch Buchsen, der Scholar kann also ein Tonband anschließen über einen Kopfhörer mitspielen und das gleich noch zusammen aufnehmen oder in einen externen Amp (PA) einspeisen. Der geniale Übungsamp. Er hat einen 12 Lautsprecher. Das Ziel dieses Amps für Fender war es also, die Kosten zu senken und den Profit zu steigern. Und damit kommen wir zum technischen Aspekt dieses Amps, der sich mit diesem Hintergrund viel einfacher verstehen läßt. Den Champ 12 gabs übrigens in schwarzem, rotem und snakeskin also weiß marmoriertem Tolex.

Die Wette um eine Kiste Bier
Ich wettete mit meinem Kumpel um eine Kiste Beck's, daß ich es schaffe einen Fender Champ brummfrei zu bekommen. Ich verlor die Wette, aber nicht weil er das so sah, sondern weil mir das Ergebnis nicht reichte. Es ist mit verhältnismäßigen Mitteln nicht möglich einen solchen Amp total brummfrei zu bekommen aber 95Prozent des Brummens bekommt man gut weg und jetzt muß man schon bei vollaufgedrehtem Amp 20cm an den Lautsprecher heran um etwas brummen zu hören.

Alle, die einen single-ended Amp haben, haben dieses besonderes Problem. Dadurch, daß die Endstufe hier nicht symmetrisch, wie eine Gegentaktendstufe aufgebaut ist, hat man hier immer mit sehr viel lauterem Brummen zu rechnen als bei einer Gegentaktendstufe. Brummen von extern und ich schließe jetzt mal Brummen aufgrund von Schaltungsfehlern oder defekten Bauelementen oder fehlender Abschirmung also Streubrummen explizit aus, kommt zu über 90 Prozent aus drei Quellen. (Und das gilt inclusive der Behebung für alle single-ended Amps)

1.) Das 100 Hz Netzbrummen der Anodenspannung
Hierbei handelt es sich um eine Restwechselspannung auf der gleichgerichteten und mit den Netzteilelektrolytkondensatoren geglätteten B+ Anodenspannung. Dieses Brummen hat in Deutschland 100 Hz (USA 120Hz) weil es nach dem Brückengleichrichter entsteht. Man nennt diese Brummen auch Restwelligkeit oder Ripple der Anodenspannung. Abhilfe: Hier helfen 2 Sachen. Einerseits muß man die Elkowerte nach dem Gleichrichter erhöhen und andererseits statt dem Siebwiderstand eine Siebdrossel einbauen. Der Champ hat als Siebelkos 4 x 47µF 385 Volt drin. Ich nahm mal 2x220 µF / 2x100µF / 385Volt von F&T die passten geraden noch so auf die Netzteilleiterplatte. Dann baute ich statt dem ohmschen 1 kOhm Widerstand R101 eine 15H/30mA DC Drossel mit 1026 Ohm Gleichstromwiderstand von der Firma Hammond ein, die es für 10,10 € bei www.tube-town.de zu kaufen gibt (Artikelnummer ha155j ) Danach war von dem 100 Hz Brummen nichts mehr übrig. Und nein Leute, eine Drossel stabilisiert nicht nur den Gitterstrom an der Endstufenröhre und macht somit das Ausgangssignal fest und brilliant, sondern sie wirkt auch noch mit den Siebelkos zusammen wie ein Tiefpass und drückt so den Ripple nochmal auf die Hälfte runter, als wäre da nur der ohmsche 1 kOhm widerstand im Netzteil verblieben. Leo wußte das und drückte im 5E1 durch diese Maßnahme auch das Anodenbrummern runter. Wers nicht glaubt kanns ja mit pSpice nachsimulieren. Siehe die beiden Graphen. Die blaue Kurve ist Ripple, einmal mit und einmal ohne Drossel im selben Netzteil. Aufgrund der cost reduction Gründe des oben genannten Roger Cox, kann man sagen: Bei diesem Amp sind die Siebelkos aus Kostengründen unterdimensioniert und die Drossel fehlt. Die Vergrößerung der Siebkapazität sollte man natürlich bei einem Vintage Amp genau abwägen. Ich will hier bei diesem Champ 12 Amp einen bestimmten Klang *erreichen*. Dieser Champ 12 Amp ist für mich kein Vintage Amp. In einem Vintage Amp will man aber fast immer einen bestimmten Klang *erhalten*. Und wenn so ein alter Tweed nur 2x8µF oder 2x16µF als Siebelkos hat, dann könnt Ihr da nicht einfach 100µF einlöten denn diese Amps klingen ja gerade eben so weil sie siebtechnisch unterdimensioniert sind. Zumal es sein kann, daß Euch die Schaltung in die Knie geht, wenn ihr da riesige Elkos einlötet.

2.) Das 50 Hz Heizbrummen in der Vorstufe
Wenn das Potenzial der Heizspannung der Vorstufe nicht genau symmetrisch zur Masse ist, dann kann der Humbucking Effekt der 7025 Doppeltrioden nicht optimal das Heizbrummen unterdrücken. Deshalb hat Fender hier 2 x 100 Ohm Widerstände von jeder Heizleitung nach Masse gelötet. Das ist auch eine cost reduction denn da nimmt man ordentlicher Weise einen Drahtleistungseinstellregler mit ca. 500 Ohm und kann so die Symmetrie einregeln und die Vorstufe so entbrummen. Das baute ich in den Amp ein und hatte das Heizbrummen in der Vorstufe unterbunden.Im Zuge dessen, schmiß ich auch diese blöde LED-Betriebsanzeige raus und baute eine richtig schönes Fenderpilotlampe mit Facettenschlifflinse ein. Mein Kumpel meinte, das Beste an dem Amp, wäre das Fenderlogo und die Lampe. Heute meint er das nicht mehr.


3.) Das 50 Hz Heizbrummen in der Endstufe
In der Endstufenröhre streut die 6,3 Volt Heizwechselspannung über die Anode durch den Potenzialunterschied in den Signalweg der Röhre ein und wird so mit verstärkt und am Ausgang hörbar. Nun kann man über einen Spannungsteiler das Potenzial der Heizspannung einfach statt auf Masse beispielsweise auf +45 V beziehen. Dadurch ist der Potenzialunterschied zwischen Heizung und Anode nicht mehr so hoch, denn die Anode ist ja auch positiv geladen. Ich machte das, aber der Erfolg war bescheiden. Und da ich ja derletzt beim Marshall DSL401 gesehen hatte, daß auch seriöse Firmen mit Brückengleichrichtern arbeiten, beschloß ich auch hier in diesem single-ended Amp mit zwei Vorstufenröhren und einer Endstufenröhre (300mA + 300mA + 1000mA = 1600mA Heizstrom im heißen Zustand) auch einen Brückengleichrichter und einen 10000µF Elko dahinter einzusetzen, um gleichzeitig das Brummen in der Vorstufe noch mehr auszuschließen und dabei das Brummen der unsymmetrischen Endstufe durch die Kopplung der Heizwendel zur Anode zu unterbinden. Ich schraubte also wieder mit Wärmeleitpaste so einen 25 Ampere Brückengleichrichter von reichelt.de innen an das Chassis und schloß den direkt hinter den Drahteinstellregler also dem Entbrummer an. Nach dem Brückengleichrichter installierte ich einen 10000µF 6,3V Elko (ebenfalls reichelt.de) den ich kopfüber zwischen die Vorstufenröhren mit Zweikomponentenkleber innen ans Chassis klebte. Ich hätte auch nur die Heizung der Endstufenröhre gleichrichten können, aber da hier nur drei Röhren in dem Amp vorhanden sind, konnte ich auch gleich alle drei dahinterhängen.

Diese Maßnahmen führten dazu, daß der Amp ca. 95Prozent seines Brummens verlor und der Sound brilliant wurde.
Vorher reichte es, wenn man den Amp in der Stellung 240V betrieb. jetzt war in dieser Stellung jedoch die Heizspannung durch die Gleichrichtung auf 5,6 Volt abgesunken. Also stellte ich den Amp auf 220 Volt Netzspannung und nun lag die Heizspannung schön bei 6,4 Volt und der Amp klang noch brillianter. Allerdings floß nun zuviel Ruhestrom durch die Endstufenröhre, so daß ich den Kathodenwiderstand zur Ruhestromeinstellung (R31) von 220 Ohm auf 300 Ohm erhöhen mußte um rote Bäckchen also rotglühende Anodenbleche in der Röhre zu verhindern. Hier noch ein Tipp dazu. Wenn Ihr derlei Modifikationen an den Netzteilelkos oder der Heizung macht, messt bitte hinterher noch mal alle wichtigen Spannungen und korrigiert gegebnenfalls die Netzteilvorwiderstände bzw. die Arbeitspunkte der Röhren, sonst verschleißen die rasend schnell. (Siehe Eddi van Halen) Durch die 6L6GC fließt jetzt 55mA und das ist immer noch ziemlich heftig aber so klingt der Amp gut im Cleankanal. Die restlichen Spannungen lagen so um 5 bis 8 Volt herum bei den Werten, die im Schaltbild angegeben sind. Das reicht bei Röhrentechnik allemal als Toleranz.

Cost reduction beim Klang
Ich sagte ja schon, daß dieser Amp ein Paradebeispiel für Profitmaximierung ist und das sieht man an der Leiterplatte und an den Kondensatoren. Die Leiterplatte ist von so schlechter Qualität, daß zweimal Löten an ein und demselben Lötauge schon dazu führen kann, daß sich die Leiterzüge vom Cevausit lösen und aufgrund der sehr dünnen Breite abreißen. ist mir mehrmals passiert und ich kann löten. Das zweite Übel sind die Kondensatoren. Erstmal wechselte ich alle Elkos aus egal wo sie waren. Dann wechselte ich noch die Kondensatoren der Klangregelung und des Midboost Schalters gegen MICA Caps und ÖlCaps vom TAD und das brachte eine erhebliche Klangverbesserung. Die anderen Caps ließ ich drin irgendwann hört der Spaß auch mal auf. Die Anschlußdrähte zwischen Vorstufenröhrensockeln und der Leiterplatte lassen es genau zwei mal zu, die Leiterplatte rein oder raus zu nehmen, danach brechen sie weg, weil sie zu steif sind. Da muß man einfach bessere Kabel einlöten, sonst wird man nicht mehr froh. Auch diese komischen Steckhülsen auf der Netzteilplatte sind Mist und sollten entweder vollständig verzinnt oder gegen ordentliche Lötösen ausgetauscht werden. Soviel zum Kleinkram und der cost reduction.

Weitere Klangverbesserungsmaßnahmen
Die Gitterleitungen wurden noch abgeschirmt und ein Jensen 25 Watt /8 Ohm P12R Alnico Lautsprecher, beim TAD für 89 Öre zu bekommen, ersetze den sicher auch nicht schlechten Originallautsprecher von Fender special blue edition. Nun wurde der Klang des Amps seidenweich und glockig und mit einer klaren Brillianz, wie ich sie einem solchen Billigamp nie zugetraut hätte. Der Cleansound ist 100Prozent Fender, klare, feste Bässe fast keine Mitten und diese süchtig machenden glockigen Höhen, besonders in den beiden Mittelstellungen der Strat. Sogar meine Paula klingt hier auf einmal klar und definiert. Und das will was heißen. Der Overdrive ist natürlich nichts für Metaller aber auch er konnte sich in der Qualität merkbar verbessern. Man darf nur nicht die Bässe zu sehr aufdrehen sonst matscht er dann doch irgendwann mal im Overdrive Kanal. Das ist natürlich blöd, weil man nur einen Bassregler für beide Kanäle hat und der Cleankanal mit viel Bass sehr schön klingt. Ebenfalls sollte der Mid-Boost nicht im Overdrive Modus betrieben werden sondern nur wenn der Amp clean gespielt wird, denn das ist ihm dann doch zuviel und der Sound wird undefiniert und ebenfalls matschig. Als Röhren nahm ich hier in der Vorstufe zwei 7025 Highrade vom TAD und zwar die S Version RT011-HG für 35 Öre das Stück und ich kann Euch nur empfehlen das ebenfalls so zu tun. Das sind zwar 70 Öre für zwei Röhren aber das ist es Wert. man bekommt mMn den Fendersound mit normalen ECC83 / 12AX7 nicht optimal hin. Warum wohl hat Fender selbst, der alte knauserige Kerl, gerade bei diesen Röhren nicht gespart und in vielen Amps die 7025 vorgeschrieben? Als Endstufenröhre kam hier einen TAD 6L6GC zum Tragen. Ich hatte auch eine 5881 versucht aber die klang hier muffig. Also für glockigen Fendersound immer 6L6GC STR black plate (RT211) oder ähnliche einbauen. Nun ist man beim Material bei ca. 190 Öre (Lautsprecher, Röhren, Drossel, Elkos, Drahteinstellregler, MICA- und Oil Caps, Kleinteile) aber Leute, das lohnt sich. Der Amp klingt nun besser als manch großer.

Achtung, Aufgrund seiner Schaltung und der Verstärkungseigenschaften eigent sich dieser Amp nicht als Harp Amp. Dazu in einem der nächsten Beiträge mehr.


Gruß
Eurer drstrange

1.) Nachtrag (28.01.2010): Der Amp ist verkauft.(schluchz) Er tummelt sich wohl bald in französischen Gefilden. Trotzdem noch ein kleiner Hinweis: Wer es mit der Optimierung dieses Amps auf die Spitze treiben will, der schaue sich die DIY Kits des Herrn Torres an. Ich hab schon sehr viel Gutes darüber gelesen. Die Buchsen hatte ich auch schon mal komplett gewechselt, das hatte ich ganz vergessen zu schreiben.

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drstrange

2.) Nachtrag (29.01.2010): So langsam trudeln hier die Infos ein. Auch die bekannte Fa. Tonehunter aus Köln bietet eine umfangreiche Modifikation für den Red knob Champ 12 an. Man muß nichtmal was selber machen, sondern schickt den Amp ein oder bringt ihn selbst vorbei.

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Unter diesem Link kann man sich dann mal einen Eindruck verschaffen, wie der Amp klingt und mit meinen und den Torresmods dazu klingt er dann sogar noch besser. Beim Tonehunter kostet es zwar mehr aber wenn man schon den Lautsprecher und die Röhren neu drin hat, dann kann man bestimmt mit den Jungs reden.

Ich hoffe das reicht jetzt aus um diesen mittelmäßigen Übungsamp in ein Klangwunder zu verwandeln.

drstrange