EPIPHONE B.B. King 'Lucille'


Da brennen einem zunächst die Augen, wenn man sich das Innenfutter des GIBSON-Koffers betrachtet. Dann konzentriert man den Blick auf die Gitarre und das Auge kann sich entspannen.
Schwarz wie die Nacht, eine geile Taille, wohlgeformt unterhalb der Taille und oberhalb der Taille zwei große Ohren und ein schlanker Hals. Gestatten? 'Lucille'. Ihr Herr und Meister ist kein geringerer als B.B. (Blues Boy) King, bürgerlich Riley B. King, geb. am 16.09.1925 in Itta Bena/Missisippi/USA, gestorben am 14.05.2015 in Las Vegas/Nevada/USA (r.i.p.), der King des Blues. Dem widmete das Mutterhaus GIBSON 1982 ein eigenes Signature-Modell, das bis heute gebaut wird. ''Black is beautiful'' stand mal auf einer nicht mehr exitierenden Guitarmaniacs-Präsentation zum Original zu lesen. Mehr nicht. Ein zugegeben etwas spartanischer um nicht zu sagen armseliger Text für eine Gitarre der Spitzenklasse, trifft aber den Kern ins Zentrum. Hier werden Emotionen angesprochen. Sie ist wirklich schön, edel, elegant, hat Stil, Ausstrahlung, Klasse, Flair. Ihr merkt, ich schwelge.
Das Original kostete zum Kaufzeitpunkt der hier präsentierten Gitarre offiziell 3.247,00 Euro, als Anniversary-Modell zum 80sten Geburtstag des King of Blues sogar 8.502,- Euro. Das ist zunächst mal eine Menge Holz für Holz und ein bisschen Elektronik. Die preiswertere Variante gibt es bei EPIPHONE mit der gleichen Bezeichnung – B.B. King 'Lucille'. Andere z.B. CAREER bauen ebenfalls Kopien, dürfen diese aber nicht B.B. King 'Lucille' oder auch nur 'Lucille' nennen. Die haben dann in einer wüsten Zahlen- und/oder Buchstabenkombination ein BB im Namen, das dann auf diesen Nachbau hinweist und theoretisch auch für BalsaBauart, ButterBrot oder BabberlaBab stehen kann. Künftig wird man sich mit den Erben wegen der Namensrechte auseinandersetzen müssen. Ich denke aber, dass GIBSON da bis in die nächste Steinzeit ein Alleinvermaktungsrecht für Gitarren dieser Bauart haben wird.

Aufgrund der nachempfundenen Schaltung würde da ja auch keine Sau drauf kommen, was sich hinter dem Kürzel BB verbirgt. Scheinbar ist das aber legal. Wie auch immer ... EPIPHONE darf, da Tochterunternehmen von GIBSON, als einzige Gitarrenschmiede GIBSON Gitarren mehr oder weniger 1:1 nachbauen. Bei den Kopfplatten war und ist das Mutterhaus allerdings pingelig.
Ich will bei EPIPHONE nicht sagen GIBSON zweiter Klasse, sondern tendiere eher zu GIBSON für den schmalen Geldbeutel, denn die Qualität (fürs jeweilige Geld) bleibt dabei keinesfalls auf der Strecke, wenn man von den verwendeten (teureren) Materialien bei GIBSON einmal absieht. Abgeshen davon leistet sich das Mutterhaus bisweilen Klöpse, die ich bei noch keiner EPIPHONE (egal woher) erlebt habe).
Fast unverschämt teuer bleiben GIBSON-Gitarren so der so. Da fällt alleine schon für den Namen ein hübsches Sümmchen an. Aber solange der Profi, der Amateur, der Freak oder der Sammler diese Preise zahlt, solange ...
Gebaut wurde dieses EPIPHONE-Schätzchen in Korea von da habe ich schon wiederholt beste Qualität erlebt, wobei Korea längst kein Billiglohnland im herkömmlichen Sinn mehr ist. Billiger als USA schon, aber mittlerweile ist man schon dazu übergegangen, die Produktion von Korea nach China zu verlegen. Mit dem Zusatz Custom Shop soll eine gewisse Exclusivität suggeriert werden. Tatsächlich hat der EPIPHONE Custom Shop in China mit dem GIBSON Custom Shop in etwa so viel zu tun, wie ein VW Golf mit einem Maybach.

Einzig die rückseitige Abdeckung für das Elektronikfach gibt ein wenig Anlass zur Kritik, liegt sie doch partiell nicht bündig an. Will heißen, dass der Rücken der Gitarre und die Kante der Abdeckung nicht überall auf einer Höhe liegen, was wohl an der Auflagekante für die Abdeckplatte liegen dürfte. Wie das beim Original aussieht, weiß ich allerdings nicht.
Überhaupt hätte ich hier eine ganz andere Lösung favorisiert – das sauber heraus getrennte und lackierte Stück Holz, welches dort saß, wo jetzt die Öffnung für das Elektronikfach sitzt oder eben ein nachgsschnitztes, sauber lackiert, fertig. Das hätte Stil gehabt. Plastik kann jeder. Konnte sogar die DDR. Schnödes Plastik ist bei zig anderen Gitarren durchaus akzeptabel, aber bei der Lucille gehört da eindeutig Holz hin. Vielleicht gebe ich sowas mal in Auftrag.
Im Elektronikfach geht es geräumig zu. Die Platte selber ist innen zur Abschirmung mit Alufolie beklebt.
Widmen wir uns aber dem, was die Gitarre wirklich auszeichnet.
Auf den ersten Blick erinnert diese schwarze Schönheit an die GIBSON ES 335 Guitarmaniacs.de und sein Betreiber übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten....auch wenn wir persönlich der Meinung sind, dass dieser Disclaimer völliger Hirnriß ist...
[EXTERNER LINK]
Tatsächlich basiert sie auf der GIBSON ES 355, denn sie verfügt über einige Spezifikationen, die die ES 335 nicht hat.
Zunächst fällt auf, dass die B.B.King 'Lucille' keine F-Löcher hat. Dieses für die ES 335 typische Merkmal hat man bewusst weggelassen, um Rückkopplungen weitestgehend zu vermeiden.
Das Schlagbrett ist in Brown Shell gehalten, was sehr gut mit der Ebony-Lackierung korrespondiert. Unter der Lackierung finden wir eine laminierte Ahorn-Decke. Ahorn auch beim Hals. Das 22 bündige Griffbrett mit Block-Inlays besteht aus Palisander. Hier ebenfalls Ahorn zu verwenden wäre ein Grund für eine standrechtliche Erschießung.
Ein aufgeklebtes E(piphone)-Symbol weist auf den Hersteller hin. Da das E bei dieser ´Lucille´ aber recht locker saß, habe ich es entfernt und auf die Rückseite der Kopfplatte geklebt.
Zwei 490er Alnico Humbucker dürften bei diesen Gitarren als Standard anzusehen sein, ebenso die Volumen- und Tonregelung sowie der 3-Way-Toggle-Switch.

Die Brücke verfügt über Feinjustierer ähnlich wie beim FLOYD-ROSE-System. Das hatte ich als Upgrade schon für die ein oder andere Les Paul im Hinterkopf gehabt. Dazu Locking-Tuner ... .

Die Hardware ist vergoldet. Ja selbst die Abdeckung für den Halsstab ist aus vergoldetem Metall und trägt den Schriftzug des Namensgebers B.B. King.
Auf der sehr schlank und lang gehaltenen Kopfplatte findet sich dann der 'Lucille'-Schriftzug. Der war beim Original ursprünglich mit Perlmutt ins Griffbrett eingelassen und dort auch wesentlich größer und wesentlich geschwungener. Aber das tut der Exklusivität keinen Abbruch. Schließlich besaß B.B. King mehrere 'Lucille's (man munkelt 16). Er gab jeder seiner Gitarren den Namen 'Lucille' und das kam so: In dem Schuppen, in dem er als junger Mann spielte, gerieten zwei Männer aneinander. Im Zuge der Schlägerei fiel ein Ofen um und der Schuppen ging in Flammen auf. Wie die anderen Gäste rettete sich B.B. King nach draußen, registrierte aber erst hier, dass er seine Gitarre vergessen hatte. Also rannte er in das brennende Haus zurück und holte seine Gitarre raus. Später erfuhr er dann, warum sich die beiden Männer geprügelt hatten – wegen einer Frau namens Lucille. In Erinnerung daran, so etwas dummes nie wieder zu tun, gab er seiner Gitarre den Namen 'Lucille' und hat das bei allen anderen Gitarren beibehalten.
Die aus dem Feuer gerettete Gitarre war übrigens eine GIBSON ES 335.
'Lucille' sieht gut aus. 'Lucille' klingt gut. Leider konnte ich zu den Tonabnehmern nichts anderes recherchieren, als dass es sich um von GIBSON designte EPIPHONE-Tonabnehmer handelt.
Egal, wie gesagt, sie klingt (zumindest nach meinem Geschmack) gut. Kein kultivierter Mensch käme aber auf die Idee, 'Lucille' für Rock oder noch härtere Sachen einzusetzen. Oder doch? Doch, es geht. Sehr gut sogar. Aber es sieht - zugegeben - schon etwas merkwürdig aus. Aber der Zweck (Sound) heiligt die Mittel (Gitarre).
Dennoch - 'Lucille' ist Blues, vielleicht ein wenig Jazz, aber immer mit viel Gefühl, mit viel Wärme, hier und da – wenn man will – kehlig, crunchy oder mit einem funky Sound.
Das ist kein Widerspruch, sondern durch den 6-fach Vari-Tone-Schalter möglich. Damit hat der Spieler eine ausreichende Bandbreite interessanter Sounds und vor allem eine für eine Gitarre dieser Bauart eigenständige Soundpalette. Dieser Schalter ist der eigentliche Clou an dieser Gitarre.
Pos. 1 ist Bypass, Pos. 2 liefert zusätzliche 5 db bei 1950 Hz, Pos. 3 - 12 db bei 1100 Hz, Pos. 4 - 16 db bei 620 Hz, Pos. 5 – 18,5 db bei 360 Hz und Pos. 6 - 6,21 db bei 120 Hz. Pos. 3 und 4 produzieren einen Single-Coil ähnlichen Sound. B.B. King bevorzugte übrigens Pos. 2 und in diesem Punkt gehe ich mit ihm einig. Diese Position klingt am ausgewogensten.

Ergänzt wird das Ganze durch einen Stereo-Ausgang mit welchem man beide Pick-Ups auf verschiedene Kanäle bzw. verschiedene Amps legen kann, wobei der für den Hals-Pick-Up zuständige Ausgang bei Mono-Betrieb beide Pickups überträgt.

Spielt man diese Gitarre, ist man sofort beim Blues. Dennoch - ein verschwitztes T-Shirt, eine abgewetzte Jeans, ausgelatschte Schuhe, kurz: ein Gammellook passen einfach nicht so recht zu dieser Gitarre. Sie sieht kultiviert aus und ebenso präsentierte sich B.B. King, wenn er mit seiner 'Lucille' die Bühne betrat. Dabei nahm es sich bis an sein Lebensende den Rat eines Freundes zu Herzen, der ihm zu Beginn seiner Karriere empfahl: ''Wenn Du den Blues spielst, dann kleide Dich so, als wolltest Du bei der Bank für einen Kredit vorsprechen.'' Für das Original-Jubiläumsmodell wäre ein Bankkredit wohl auch bitter nötig. Das EPIPHONE-Modell vermittelt aber genügend Esprit, Flair und Authentizität des Originals, um einen vor einer unter Umständen ruinösen Investition zu bewahren. Danke EPIPHONE.
Es gab Zeiten, da wurde das reguläre GIBSON B.B. King 'Lucille' Modell (nicht das Jubiläumsmodell) günstiger angeboten, als ich seinerzeit für meine GIBSON ES 335 bezahlt habe. Den Zug hbe ich leider verpasst. 2015 kostste die B.B. King 'Lucille' schon satte 3.699,- Euro. Eine fürwahr lohnende Rendite. Nun bin ich aber auch nicht unbedingt der B.B. King fan. Gleichwohl schätze und respektiere ich B.B. King über alle Maßen.

Nachtrag 09-2011: Auch zu diesem Modell hatte ich Gelegenheit, einen direkten Vergleich mit einer GIBSON B.B. King 'Lucille' anzustellen. Gegen die GIBSON klingt die EPIPHONE etwas 'muffig', was aber auch an den schon länger nicht mehr gewechselten Saiten liegen mag, jedoch nicht ausschließlich und schon gar nicht überwiegend. Nicht dass wir uns missverstehen – die EPIPHONE klingt nicht schlecht, aber die GIBSON klingt deutlich prägnanter. Hier wäre ein PU-Tausch mal eine ernsthafte Überlegung wert.

Listenpreis am Kauftag: 1.070,00 Euro, gekauft Oktober 2005 für 700,00 Euro

Seit der Umstrukturierung des GIBSON-Vertriebes (und damit auch des EPIPHONE-Vertriebes) und der Verlegung der EPIPHONE-Produktion nach China wurde die EPIPHONE B.B. King 'Lucille' 2009 für 555,- Euro angeboten, im Februar 2012 für 499,- Euro. 2014 war der Ladenpreis mit 539,10 Euro fast wieder auf dem Weg der Besserung aber immer noch meilenweit von dem seinerzeit gezahlten Preis entfernt, wobei man meines Erachtens nicht außer Acht lassen darf, dass das hier präsentierte Modell in Korea gebaut wurde und die aktuellen Modelle in China produziert werden. Die kosteten 2015 immerhin schon wieder 679,- Euro, Tendenz steigend. Das ist erfreulich, zumindest für mich, zumal ich bzgl. der Korea-EPIPHONEs nach wie vor der Meinung bin, dass die qualittive besser sind, als sdie China-Produktionen, auch, wenn die Chinesen mittlerweile begriffen haben, worauf es ankommt und ihre Husaufgaben scheint´s gemacht haben.

die wichtigsten Eckdaten:

Modell: EPIPHONE B.B. King 'Lucill' – Basis/Vorbild GIBSON ES 355 B.B. King Lucille
Herkunftsland / Baujahr: Korea / 07-2004
Korpus: Semiakustik mit Doppel-Cutaway, Ahorn laminiert mit Ahorn-Sustainblock, transbraunes Shell-Schlagbrett mit Epiphone E, Decken-Boden-Binding, keine F-Löcher
Hals: Ahorn, geleimt, Binding, in Korpusfarbe lackiert
Griffbrett: Palisander mit Block-Inlays, 22 Medium Jumbo Bünde
Brücke: Tune-O-Matic Bridge, Stop-Bar-Tailpiece mit Feintunern
Mechaniken / Sattel: 3 + 3 GROVER, gekapselt, vergoldet / Kunststoff
Elektronik: 1 AlNiCo Humbucker, 3-Weg-Toggle-Schalter, 2 Volumen-, 2 Ton-Regler, 6-fach Vari-tone-Schalter (Pos. 1 = Bypass, Pos. 2 = + 5 db bei 1950 Hz, Pos. 3 = + 12 db bei 1100 Hz, Pos. 4 = + 16 db bei 620 Hz, Pos. 5 = + 18,5 db bei 360 Hz und Pos. 6 = + 6,21 db bei 120 Hz. Pos. 3 und 4 produzieren einen Single-Coil ähnlichen Sound.
Hardware: vergoldet
Gewicht: ca. 4.260 g
Farbe: Ebony
Besonderheit(en): 6-fach Vari-tone-Schalter, Feintuner-Bridge, ES-Modell ohne F-Löcher, Signature-Modell ohne Signatur

Links:
EPIPHONE USA
Guitarmaniacs.de und sein Betreiber übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten....auch wenn wir persönlich der Meinung sind, dass dieser Disclaimer völliger Hirnriß ist...
[EXTERNER LINK]


EPIPHONEWIKI
Guitarmaniacs.de und sein Betreiber übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten....auch wenn wir persönlich der Meinung sind, dass dieser Disclaimer völliger Hirnriß ist...
[EXTERNER LINK]


Hier noch die Dekodierung für die Kürzel vor der Seriennummer. Das sind übrigens keine Städtenamen, sondern die Namen der Produktionstätten.

B = Bohemia Musico - Tschechei
DW = Daewon – China
EA = GIBSON/Qingdao - China
EE = GIBSON/Qingdao - China
F = Fujigen - Japan
FN/N = Fine Guitars - Korea
I = Saein - Korea
J = T Terada - Japan
K = Korea Ins - Korea
MC = Muse - China
O = Choice - Korea
P/R = Peerless - Korea
S = Samick - Korea
SI = Samick - Indonesia
SJ = Saejun - China
SM = Samil – Samil, Korea
U = Unsung - Korea
UC = Unsung - China
Z = Zaozhuang Saehan - China