Ibanez Blazer BL 470


Die Blazer Serie befand sich 1981 und 1982 im Ibanez Programm und löste damals die Roadster Serie ab. Sehr schnell bekam sie den Ruf, einen sehr guten Gegenwert für den verlangten Kaufpreis zu bieten. Obwohl die Modellreihe an sich recht erfolgreich war, wurde sie bereits 1983 durch die Roadstar II Serie abgelöst. In den 90er Jahren wurde die Blazer Serie noch einmal für kurze Zeit mit überschaubarem Erfolg ins Programm aufgenommen. Interessanterweise gab es damals zwei verschiedene Designvarianten. Die Erste lehnte sich stark an die Urversion von 1981/82 an, die Andere hatte eine deutlich modernere Optik und trug die Bezeichnung Blazer 21.

Die vorliegende himmelblaue Schönheit stammt aus dem Jahr 1982, gehört also zur ersten Blazer-Serie. Der BL470 stand damals noch ein Schwestermodell mit klassischer SSS-Pickupkonfiguration zur Seite, die BL450. Ausstattungstechnisch entspricht die hier vorgestellte Gitarre bis auf die Pickupbestückung und der Lackierung der Top-of-the-Line Ausführung BL550, welche ebenfalls als SSS-Ausführung in Blau- und Rotmetallic-Lackierung verfügbar war. Alle Modelle hatten die damals angesagte üppige Messingausstattung und Goldhardware zu bieten. Selbst der Sustainblock des Tremolos besteht aus massivem Messing. Ansonsten waren die Blazer-Gitarren wieder stärker vintage-orientiert als ihre Vorgänger. Der Griffbrettradius liegt schätzungsweise bei fendermäßigen 7,25 Zoll, ist also kleiner als z. Bsp. der einer Fender US Standard Strat. Die Bundierung ist ebenfalls wie früher üblich dünn und niedrig.

Die BL 470 gab es damals in zwei Lackierungen. In dem hier vorgestellte Sky Blue und in einem schönen Burgundy Red. Die babyblaue Farbe war damals offensichtlich nicht besonders gefragt. Deshalb wurde die Gitarre zum Ende der Produktionszeit deutlich billiger verkauft als die rote Variante. Zugegebenermaßen war auch ich (damals) von der Farbe nicht sonderlich begeistert. Der Preis war letztendlich aber doch so überzeugend, daß ich sie mitnahm. Dummerweise lag daheim noch eine Spraydose mit metallicblauem Lack rum, von der ich kurzerhand Gebrauch machte. Das Ergebnis war, wie Ihr sicher schon erwartet habt, eher mäßig. Kurze Zeit später habe ich dann versucht, die Lackschicht wieder zu entfernen. Dabei erhielt meine Blazer eine mehr oder weniger interessante Oberflächenstruktur :-(

Die generelle Verarbeitung der Ibanez ist japanisch sorgfältig. Die Gitarre besitzt ein angenehmes Gewicht.

In klanglicher Hinsicht sollte die BL 470 trotz der putzigen Farbgebung wohl die härteren Musikstile abdecken. Die eingebauten V2 Humbucker zielen meiner Meinung nach leistungs-, Sound- und designmäßig eindeutig auf die damals sehr angesagten Super Distortion Pickups aus dem Hause DiMarzio ab. Allerdings ohne deren kräftigen Betonung der Mitten. Diese Tonabnehmer, nach heutigen Gesichtspunkten eher im gemäßigten Leistungsbereich angesiedelt, waren damals für diejenigen Gitarristen gedacht, die Ihre (Röhren-) Amps mit hoher Leistung anblasen und dadurch leichter in die Sättigung fahren konnten als beispielsweise mit den hauseigenen Super 58 oder Super 70. Der Vorteil dieses gemäßigten Outputs ist meines Erachtens allerdings, daß die Pickups auch im Cleanbetrieb noch schön musikalisch klingen. Hals- und Stegpickup haben die gleiche Ausgangsleistung, was bedeutet, daß im Kombibetrieb für einen ausgeglichenen Lautstärkepegel der V2 am Hals von der Höhe her deutlich niedriger eingestellt werden sollte als der am Steg. Übrigens haben beide Tonabnehmer im Original cremefarbige Spulen. Die Stegspule des hinteren Tonabnehmers wurde von mir lediglich schwarz angemalt (da stand ich damals tierisch drauf).

Unverstärkt stellt meine Blazer einen lauten, drahtigen Klang mit einem schönen Obertonbereich und sehr gutem Sustainverhalten zur Verfügung. Sie spricht schnell an und zeigt beste Resonanzeigenschaften. Am Verstärker klingt die Gitarre wirklich schön dicht und voll. Das für eine an die Stratocaster angelehnte Konstruktion typische Klangverhalten kommt trotz der Humbuckerbestückung immer durch, d.h. der Sound ist luftiger als beispielsweise bei einer Les Paul. Der Stegtonabnehmer komprimiert wenig und zeigt ein schönes ausgeglichenes Klangbild. Der Hals-Pickup klingt warm und rund. In der Zwischenposition kommt ein wunderbar glockiger Ton zu Gehör. Hier ist es auch möglich, mittels des Minischalters einen Out-of-Phase-Sound zu erzeugen, dessen Einsatzmöglichkeit mir persönlich bisher allerdings verschlossen blieb.

Im High Gain Bereich klingen beide Pickups ebenfalls ausgesprochen offen. Selbst beim Hals-Pickup tritt kein Matsch oder Mulm auf. Vielmehr liefert er sehr schön singende Leadlines, die wunderschön in die Obertöne übergehen können. Selbst beim Akkordspiel lösen die einzelnen Töne wunderbar auf.

Alles in allem sind die Gitarren der Blazer Serie tolle Instrumente. Meiner Meinung nach werden sie auf dem Gebrauchtmarkt im Vergleich z. Bsp. zu den JV Squiers deutlich unterbewertet. Entsprechend günstig sind sie auch immer noch zu haben, wobei sich die angebotenen Instrumente naturgemäß oftmals in einem altersbedingt erbärmlichen Zustand befinden. Vielleicht liegt es auch ein bisschen am günstigen Anschaffungspreis, daß mit diesen Gitarren wenig sorgsam umgegangen wird. Ungeachtet dessen zeichnet sich auch hier der Trend zu steigenden Gebrauchtpreisen ab. Speziell die BL470 ist relativ selten und auf dem Gebrauchtmarkt so gut wie gar nicht mehr zu finden. Vielleicht wollen sie die Besitzer aber auch nur nicht mehr hergeben :-)



FEATURES:

BODY: Basswood
NECK: 1 Piece Maple
FRETBOARD: Maple
SCALE: 25.5
INLAY: DOT
BRIDGE TAIL: Brass Tremolo
HARDWARE: Gold
PICKUP CONFIG: H-H
PICKUP'S: V2 (Neck), V2 (Bridge)
CONTROL: 1 Volume, 1 Tone, 3-Way Switch, Phase Switch
FINISH: Sky Blue, Burgundy Red

Hinweis:
Sehr häufig werden im Internet Ibanez BL10 Modelle zur horrenden Preisen angeboten. Dummerweise werden diese auch noch bezahlt. Diese Blazer stammt aus der Mitte der 90er Jahre und war meines Wissens Bestandteil eines sogenannten Starter Packs, bei dem man für 99,95 € eine Gitarre, Koffer, Ledergurt, 100 Watt Fullstack und drei aufblasbare Groupies bekommt. Diese Gitarre hat absolut nichts mit den Instrumenten aus den 80er Jahren zu tun. Bei der in China gefertigten BL10 wurden billigste Komponenten verwendet, so besteht der Korpus beispielsweise aus Schichtholz und auch die Hardware ist von einfacher Qualität. Manche von diesen Gitarren klingen zwar überraschenderweise gar nicht so schlecht, ich hatte selbst mal eine, dennoch sind die aufgerufenen und bezahlten Preise hier in keiner Hinsicht gerechtfertigt. Erkennbar ist die Billigausgabe der Blazer vor allem am Logo auf der Kopfplatte. Auf dem letzten Bild seht ihr die Unterschiede. Nur die Blazers mit dem goldenen Ibanez Schriftzug sind die hochwertigen Modelle der 80er Jahre und den Reissues der 90er.