Rockinger Rudvog


Dieser Gitarrentyp wurde 1993 (Märzausgabe) in der Gitarre&Bass getestet, weil sie als Serie aufgelegt werden sollte. Das Testmodell (wie auch drei weitere waren aus Mahagoni). Als ich 1995 eine Gitarre kaufen wollte, stieß ich auf den Testbericht und kontaktierte Rockinger in Hannover. Man teilte mir mit, dass aus der Serie nichts wurde, man aber im Regal noch die Einzelteile eines Modells habe, allerdings aus Esche und unbehandelt, was Fräsungen etc. anging. Zu einem recht günstigen Preis erwarb also den Bausatz, wählte Tonabnehmer, Potis etc. aus. Ich setzte mich mit dem Gitarrenbaumeister Rudi Hintermaier in Verbindung, der die notwendigen handwerklichen Hinweise gab (Schaltpläne der Elektrik, Hinweise zur Halsfräsung).

Zusammen mit einem handwerklich begabtem Bekannten ging ich ans Werk. Nach ein paar Tagen war sie fertig. Trotz rigiden Befolgens der schriftlichen Aufzeichnungen des vorher konsultierten Meisters war die Saitenlage nach Abschluss der Arbeiten so hoch wie bei einer Konzertgitarre. Seine Angaben für die korrekte Tiefe der Ausfräsung für den Hals waren leider etwas falsch gewesen. Pech, jedenfalls war sie spielbar und sie hatte einen sehr guten Klang.

2000 erwarb ich eine Parker Fly Deluxe, worauf die Rockinger Rudvog ihr Dasein im Ständer fristete. Zudem wollte die Elektrik auch nicht mehr so richtig [Zargenbuchse fasste nicht mehr, PU-Wahlschalter hatte Aussetzer].
Anfang 2005 kam ich zu dem Entschluss, dass es zu schade sei, wenn die Gitarre nicht gespielt wird.
Da ich mittlerweile nach Oberbayern gezogen war, bekam ich nach Anfrage bei Rockinger freundlicherweise den Hinweis auf den in München beheimateten Gitarrenbaumeister Thomas Keller.
Ende Dezember 2005 habe ich die Gitarre mit den Reparaturwünschen bei ihm vorgestellt, im Januar 2006 wurde sie dann überholt. Die Arbeiten, die Thomas Keller ausgeführt hatte, haben mich vollends zufrieden gestellt und mir auf diese Weise ein doll klingendes und gut bespielbares Instrument zurückgegeben.

Technische Daten [ursprüngliche Version]: Klemmköpfe, Rollensattel, Duesenberg Tremolo mit Rollenreitern [aufliegend], darunter Rockinger Black Box in der Tremolofräsung, Rockinger Singlecoil in Halsposition, Seymour Duncan SH-4 Jeff Beck Humbucker in Stegposition [splitbar], three-way-switch, Volumen-Poti, Tone-Poti [Pull-Push, zum Splitten des Humbuckers]. Gewicht: 4,6 kg. Korpus: geölte, einteilige Esche; Hals: einteiliger, aufgeschraubter geölter Ahornhals mit flachem D-Profil und Palisandergriffbrett und 22 Bünden.

[Edit 20 dec 09]
Wie aus der aktualisierten Beschreibung meiner Fly hervorgeht, habe ich ja die beiden EMG PUs noch übrig. Mein Plan sieht folgendes vor: die passiven PUs und die Elektrik fliegen raus [der SC brummt ja eh bauartbedingt], die vordere Fräsung wird vergrößert. Im Anschluss daran werden beide EMG im Korpus versenkt, zwei zusätzliche Potis bekommen ihre Löcher, auf der Rückseite wird ein extra Batteriefach angelegt. Aufgrund der zwei dann hoffentlich betriebsbereiten PUs habe ich dann aufgrund der Splittbarkeit und einer Les Paul würdigen Anzahl an Potis Soundvariabilität en gros. Mein Gitarrenbauer wird sich freuen!

[Edit 22 dec 09]
So, seit gestern hat mein Gitarrenbauer einen Auftrag. Leider musste von der Idee abgewichen werden, auf die Halsposition den EMG-89R [R=reverse] zu setzen [mangels Platz durch vorhandene Position des SC, etwas weiter zum Steg positioniert hätte man die alte Fräsung gesehen]. Stattdessen kommt ein EMG SA [vgl. Steve Lukather] in die Fräsung, der Seymour Duncan weicht einem EMG-89. Die Schaltung wird optisch zu bleiben wie sie ist, da der SA nicht splitbar ist: Toggle-Switch, Volume, Tone [inkl. Splitting des 89ers].
Sobald der Umbau fertig gestellt ist, wird per Bild und Text aktualisiert.
Der EMG-89R [ebenfalls splitbar] wird in kürze bei ebay eingestellt.

[Edit, 13 feb 10]
Umbaumaßnahmen sind - vorerst - abgeschlossen. Die Gitarre konnte am Vortag vom Gitarrenbauer abgeholt werden. Auf Halsposition verrichtet ein EMG-SA [mit goldenem Logo] seinen Dienst, auf Stegposition ein EMG-89. Das Tone-Poti [das hintere Poti] ist als Pull-Push-Poti ausgeführt, so dass der 89er nach Ziehen des Knopfes zum Singlecoil wird. Beim Gitarrenbauer nutzte ich sogleich die Gelegenheit, die Gitarre über seinen Bassman anzutesten.
Die beiden EMG harmonisieren sehr gut mit dem Eschekorpus, denn dieser sorgt dafür, dass die Töne nicht abkippen, sondern sehr sauber intoniert mit langem Sustain ausklingen - auch bei extremer Verzerrung. Der SA hat einen warmen bluesigen Ton, der 89er ist als Humbucker sehr druckvoll ohne zu matschen. Als Singlecoil wird clean ein glasklarer Ton produziert. Beide Tonabnehmer verfügen über ein vielversprechendes Obertonverhalten.

Im Nachhinein gefallen mir die schwarzen Tonabnehmer auch optisch besser; mit dem Holzton ergibt sich ein schönerer Gesamteindruck als mit dem vorhergehenden Zebra-Look des SH-4 und des Singlecoils. Wobei auch dies seinen Reiz hatte, aber man wird ja älter...

Kurzum: der Umbau hat sich gelohnt.

[Edit 17 feb 10]
Nachtrag zu PU-Eigenschaften:

EMG-SA:
clean -> sehr druckvoller, voluminöser, warmer Ton
crunch -> wie zuvor, schöner Blueston
lead -> singender, warmer Ton

EMG-89 [als HB]
clean -> sehr kräftig, mitten-/höhenbetonend, stärkerer Output als SA
crunch -> gleiche Charakteristik wie zuvor
lead -> saubere Intonation von Akkorden wie auch Singlenotes, langes Sustain, durchsetzungsstarker Charakter

als SC
clean -> deutlich hellerer Ton als SA, weniger Output als im HB-Modus
crunch -> gleiche Charakteristik
lead -> gleiche Charkteristik

SA + 89
ausgewogenes Verhältnis beider PU, das insbesondere bei clean oder crunch zur Geltung kommen kann.

Im direkten Vergleich zur Parker klingt die Rudvog deutlich organischer, also nicht so steril. Aber das liegt auch allein schon an den unterschiedlichen Materialien und PUs beider Gitarren. Zur Zeit mag ich den Klang der Rudvog deutlich lieber [Der Reiz des Neuen...].

[Edit 20 feb 10]
EMG-89R wurde erfolgreich bei ebay verkauft [Gewinn wurde nicht erzielt, aber Kosten wurden zumindest gedämpft] und jemand anderes freut sich darüber. Werde in den nächsten Tagen die vormals in dieser Gitarre verbauten PUs bei ebay reinstellen [Rockinger ST-RAT bzw. Seymour Duncan HS-4 Jeff Beck]. Falls also jemand Interesse hat,...

[Edit 07 jan 11]
Ich sage nur: mehr Mojo bzw. Brandspuren am Fluppenhalter. Ich fasse das mal als Flameburnt-Finish zusammen. Okay, okay... ich war nüchtern, habe einen Gasbrenner genommen, und, oh weh, bin damit meiner Gitarre an den Leib gegangen - wobei es eher der Kopf war. Jetzt hat die Gute am Kopf ein paar Tiger-stripes. Obwohl... es sieht eher aus wie die Fellzeichnung einer räudigen Hyäne. Wenn´s mir nicht mehr gefällt, dann wird geschmirgelt und neu geölt...

[Edit 05 feb 11]
Oh, da fällt mir auf, dass ich mir auf den Tag genau meinen linken Oberschenkelhals gebrochen hatte... Aber das war nicht die Botschaft: Ich habe € 1,20 investiert, um mir den Testbericht der Gitarre & Bass 3/1993 zu besorgen. Ich habe ihn zum *.jpg umformatiert und ihn für Interessierte als Bild hochgeladen.

[Edit 01 apr 12]
... es wurde nicht nur die Aprilsonne genutzt, um neue Bilder anzufertigen, sondern bei dieser Gitarre gab´s - wenn auch in Nuancen - substantielle Veränderungen: Mich haben seit einiger Zeit die relativ harten Übergänge von Decke zu Zarge und von Zarge zu Rücken gestört. Auch fand ich die Ergonomie (Auflage des Unterarms) nicht mehr so prickelnd. Was macht man da also? Mit Schmirgelpapier unterschiedlicher Körnungen habe ich mir das shaping ein wenig angenehmer gestalltet und auf diese Weise die Kanten ein wenig abgerundet und jetzt auch eine Armauflage geschaffen. Danach gab´s noch ein wenig Holzpflege mit spezieller Bürste und ein paar Lagen Hartwachsöl und flüssig Bienenwachs.

[Edit 29 aug 14]
... im Zuge des Max-Li Tele-Testtransfers hatte ich ein persönliches Treffen mit dem nachfolgenden Tester. Optisch störte an der Rudvog seit dem Einbau der EMGs eine Kleinigkeit (bei vorherigen PUs war es noch in Ordnung): Der beige Toggle-Kopf nämlich (Bei einer anderen Gitarre wich der schwarze ebenfalls einem beigen, weil der gesamte Switch gewechselt werden musste.) Auf jeden Fall hat die Gitarre nun passend zu den schwarzen EMGs den richtigen Kopf zum Schalten. Das Wetter passte, also ein paar neue Galeriebilder.

[Edit 10 mar 17]
Ich war ja immer davon ausgegangen - Quellenlage Gitarre & Bass 3/1993 -, dass die Rudvog wirklich was eigenständiges ist. Aber nach 22 Jahren Besitzstand bot der letzte Monat Überraschendes. Natürlich wusste ich, dass ein gewisser Herman Frank (Gitarrist: Accept, Victory, Hazzard) eine Gitarre hat, die meiner Rudvog doch sehr ähnlich sieht (Kopfplatte, Vibrato, Sattel, Klemmbolzen statt Mechaniken). Allerdings war die Korpusform nicht exakt zu meiner, die ja sehr an eine Ibanez RG angelehnt, allerdings mit dieser besonderen Holzausnehmung unter dem Vibrato.
Ein Forenmitglied in einem anderen bedeutenden, deutschsprachigen Gitarrenforum zeigte kürzlich eine Duesenberg Starplayer Baujahr 1987. Frapierende Ähnlichkeit mit der Gitarre, die Herman Frank benutzt. Meine Folgerung: Duesenberg / Rockinger haben also bereits 1987 wesentliche Merkmale der Rudvog verwendet, dann 1993 ein anderes Korpusdesign probiert, dass ganze nun unter dem Label Rockinger als Rudvog laufen lassen wollen. Aus unbekannten Gründen wurde aber nach fünf Modellen abgebrochen.